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- Gab es Vorzeichen?
- Wie verhielten sich die Menschen vor dem Bergsturz?
- Wo löste sich der Bergsturz?
- Wie viel Fels stürzte ins Tal?
- Wie verliefen die Vorstürze?
- Wie verlief der Hauptsturz? Welchen Weg nahmen die Bergsturzmassen?
- Wie weit bewegten sich die Sturzmassen?
- Welche Fläche bedecken die Ablagerungen?
- Gab es Nachstürze?
- Warum kam es zum Bergsturz?
- Was brachte die absturzbereiten Felsmassen schlussendlich zum Absturz?
- Welche Folgen hatte der Bergsturz?
- Gab es auch Verletzte?
- Welche Folgen hatte der Bergsturz für Hab und Gut?
- Wieso sieht man heute kaum mehr etwas vom Trümmerfeld der Bergsturz-Ablagerungen?
- Wurde der Abbau von Schiefer nach dem Bergsturz eingestellt?
- Welche Zeugen gibt es heute noch vom Bergsturz?
- Der Äschenstein
- Töniberg / Wisli
- Gedenktafel an der Kirche
Gab es Vorzeichen?
Schon 1878 machten sich zunehmend Bewegungen im Berg bemerkbar. Im Tschingelwald unterhalb Stäfeli bildete sich eine Spalte, die im Laufe des Jahres 1881 rasch an Länge und Tiefe zunahm.
Noch kurz vor der Katastrophe begutachtete eine Kommission den sich häufenden Steinschlag und andere massive landschaftliche Veränderungen. Sie konnte aber keine Veränderungen feststellen, die unmittelbare Gefahren zur Folge hätten.
«Vorzeichen gingen wochen-, tage- und stundenlang reichlich voran.»
(Albert Heim, Bergsturz und Menschenleben, 1932)
Wie verhielten sich die Menschen vor dem Bergsturz?
Am Sonntagmorgen des 11. September 1881 wurde das Getöse der Steinschläge, kleinerer Abbrüche und Spaltenbildungen im Gottesdienst der Kirche als störend empfunden. Dennoch verliess fast niemand die Gegend. Viele Menschen begaben sich sogar mit Absicht in das gefährdete Gebiet oder bestiegen den Düniberg, um eine gute Aussicht auf das Geschehen zu haben.
Wo löste sich der Bergsturz?
In der Plattenbergwand südöstlich von Elm (in der swisstopo-Karte mit Bergsturzwand bezeichnet). Das Abrissgebiet ist eine unregelmässige, flachmuschelige Nische. Diese ist 450 bis 500 Meter breit, zirka 250 Meter hoch und etwa 100 Meter tief. Der obere Abrissrand liegt zirka 600 Meter über der Talsohle.

Am 13. September, zwei Tage nach dem Ereignis, fertigte der Maler Heinrich Burger dieses Bild an. Die rote Linie verdeutlicht den Bereich, aus dem sich die Felsmassen lösten. Der rote Punkt bezeichnet den Standort des Äschensteins (siehe unten). Zum rot umrandeten Bereich in der Kartenansicht Quelle: Burger, Heinrich J.: Der Bergsturz bei Elm. Zentralbibliothek Zürich.

Der Bereich, aus dem sich die Felsmassen lösten, Im Jahr 1893 – 12 Jahre nach der Katastrophe. Foto Leo Wehrli. Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Dia_247-00057.tif Zum Bildausschnitt in einer 3D-Karte.
Wie viel Fels stürzte ins Tal?
Rund 10 Millionen Kubikmeter.
Wie verliefen die Vorstürze?
Am 11. September 1881 fanden im Laufe des Nachmittags zwei kleinere Abstürze statt.
Der erste Sturz brach um 17:11 Uhr als «Steinlawine» aus dem östlichen Rande des Abrissgebietes herab. Er verschüttete die Schiefermagazine und das Haus «Wirtschaft zum Martinsloch». Auch staute er den Tschingelbach und Raminerhach. Die Schuttfläche war «etwa vier Jucharten» gross.
Der zweite Sturz um 17:32 wurde als «grössere Steinlawine» beschrieben. Er brach aus dem westlichen Rande des Abrissgebietes herab und zerstörte fünf Häuser sowie neun Ställe.
Wie verlief der Hauptsturz? Welchen Weg nahmen die Bergsturzmassen?
Beim Hauptsturz um 17:36 Uhr löste sich der «Plattenbergkopf», die grosse, vom Schieferbruch unterhöhlte Felsmasse oberhalb des Plattenberg-Schieferbruchs, entlang dem «grossen Clagg», einer grossen Spalte, die sich im Vorfeld des Ereignisses gebildet hatte. Es lassen sich in der Bewegung unterscheiden:
1. Fall des Felsens. Der gesamte Plattenbergkopf – eine Felsmasse mit einem Volumen von rund 10 Millionen Kubikmeter – stürzte ab und schlug auf der Terrasse des Schieferbruches auf.
2. Sprung durch die Luft. Von der Terrasse aus sprangen die Felsmassen in die Luft hinaus ins Untertal hinunter.
3. Brandung am Düniberg empor. Nun brandeten die Felsmassen, als Trümmerstrom dem Boden entlang fahrend, am Gegenhang bei Töniberg etwa 100 Meter hoch bis auf knapp 1100 m ü. M. hinauf.
4. Ablenkung des Trümmerstroms in Richtung Nordwesten.
Der Töniberg lenkte den Trümmerstrom nach links ab.
5. Ausbreitung des Trümmerstroms. Nun fuhr der Trümmerstrom auf dem fast horizontalen Talboden in nördliche Richtung talauswärts. Dabei schürfte er die Ackerböden vor sich her. Da diese tiefgründig, tonig und durchregnet waren, ermöglichten sie es dem Trümmerstrom, sich auf ganz besondere Art und Weise auzubreiten.
Im Trümmerstrom waren Blöcke von 50 bis 500 m3 Volumen gewöhnlich, solche von 500 bis 1000 m3 Volumen selten.

Die Ausbreitung des Trümmerstroms. Gut sichtbar das Aufbranden des Trümmerstroms am Düniberg.

Die Ausbreitung der beiden Vorstürze und des Hauptsturzes.

Weithin sichtbare Spuren der Trümmerstrom-Ausbreitung am Düniberg (Bildmitte) vorbei in Richtung Schwändi (links im Bild). Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Ans_15570-01-FL.tif


Bildausschnitt in swisstopo-Karte, 3D-Ansicht
Der Trümmerstrom im Raum Elm Unterdorf. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Dia_262-0409.tif

Der Trümmerstrom im Gebiet des Äschensteins. Rechts der Bildmitte: Der Äschenstein. Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Dia_262-0407.tif

Der Trümmerstrom im Raum Elm Unterdorf. Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Dia_262-0406.tif

Der Trümmerstrom im Raum Elm Unterdorf. Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Hs_0401-0034.tif

Der Trümmerstrom im Raum Elm Unterdorf. Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Ans_15570-02-FL.tif
Wie weit bewegten sich die Sturzmassen?
Die Front des Trümmerstroms kam in rund eineinhalb Kilometer Entfernung vom Plattenberg zum Stillstand.
Welche Fläche bedecken die Ablagerungen?
Der (ringsum sehr scharf begrenzte) Trümmerstrom bedeckte ein Gebiet von 90 Hektaren (900‘000 m2).
Gab es Nachstürze?
Nach dem Bergsturz stellte man am so genannten Risikopf Bewegungen fest. Man prüfte eine Sprengung und einen Abtrag des Materials, verwarf diesen Plan jedoch infolge der hohen Kosten und des grossen Volumens.
Am 2./3. Dezember 1881 wurde der Risikopf mit insgesamt 160 Mörsergranaten des Kalibers 8 cm von der gegenüberliegenden Talseite (Töniberg) aus beschossen. Man konnte jedoch keinen unmittelbaren und vollständigen Abbruch auslösen. Verschiebungsmessungen im Gebiet zeigten weiterhin Bewegungen an. Am 10. Juni 1882 kam es schliesslich nach starken Regenfällen zu einem Teilabbruch des Risikopfs.
Warum kam es zum Bergsturz?
Der Bergsturz war eine Folge von jahrelangem Schieferabbau. Denn der Schiefer im Bergsturzgebiet eignete sich hervorragend zur Herstellung von Schreibtafeln und Griffeln. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, führte dies vor allem in Deutschland zu einem deutlich höheren Bedarf von Schreibtafeln. Der Schieferabbau wurde in der Regel von konzessionierten Unternehmen durchgeführt.
1878 beschlossen die Bürger von Elm, den Abbau in die eigenen Hände zu nehmen. Im Bergbau unerfahrene, verarmte Bauern versprachen sich schnellen Wohlstand. Durch den Abbau untergruben sie die Bergflanke unterhalb des Plattenbergkopfes auf einer Breite von 180 Metern; dies ungefähr 20 Meter tief, an der tiefsten Stelle 65 Meter tief. Dabei wurden insbesondere die zuvor noch belassenen Stützpfeiler aus Schiefergestein, die den Plattenbergkopf stabilisiert hatten, abgebaut.
Was brachte die absturzbereiten Felsmassen schlussendlich zum Absturz?
Starke Regenfälle sowie die Verlagerung des im Hangbereich abfliessenden Niederschlags in die sich öffnenden Felsspalten führten zu einer beschleunigten Destabilisierung des Gebirges.
Welche Folgen hatte der Bergsturz?
Durch den Bergsturz wurden 116 Menschen verschüttet und 83 Gebäude zerstört. 68 männliche und 48 weibliche Personen fielen den Felsmassen zum Opfer; davon waren 79 Erwachsene und 37 Kinder.
11 Familien verschwanden gänzlich. 5 Familien starben vollständig aus. 38 Kinder wurden zu Waisen. 31 Frauen wurden zu Witwen.

Gruppenbild von Überlebenden. Vor dem Bergsturzblock von links nach rechts: Joh. Marti, Förster (Matt), Rhyner in Gand Elm, Kinder Rhyner, Lehrer Wyss, oben Rathsherr Peter Zweifel. Datum: September 1881. Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Hs_0401-0035.tif
Gab es auch Verletzte?
Die Ärzte, die bereits am 3. September nach Elm eilten, fanden keine Verletzten mehr vor. Ein einziger — ein Greis aus dem Äschen — wurde durch den Einsturz seines vom Trümmerstrom gestreiften Hauses verwundet, aber nicht getötet. Er starb jedoch bald; deshalb gehört auch er zu den 116 Opfern des Bergsturzes.
Albert Heim schrieb 1932 in seinem Buch «Bergsturz und Menschenleben»: «Ein Trümmerstrom erzeugt keine verletzten und zu rettenden Menschen. Was er erfasst hat, ist augenblicklich in Fetzen zerrieben, was ein Meter ausserhalb blieb, ist unverletzt. Aber in den umrandenden Ausschürfungswällen liegen die Trümmer der vernichteten Häuser, die zum Teil noch erkennbaren Gegenstände ihrer Bewohner, die Fetzen von zermalmten Menschen und Tieren, alles durchknetet mit ausgeschürftem Boden.»
Welche Folgen hatte der Bergsturz für Hab und Gut?
Der Trümmerstrom begrub 83 Gebäude unter sich. Er verschüttete 90 Hektaren fruchtbares oder bewohntes Gebiet (eine Fläche von rund 120 Fussballfeldern).
Wieso sieht man heute kaum mehr etwas vom Trümmerfeld der Bergsturz-Ablagerungen?
In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde das Trümmerfeld eingeebnet und das Land urbar gemacht. Der nördlich vom Untertal liegende Teil des Trümmerfeldes wurde bald nach dem Bergsturz, ein anderer Teil im Untertal im Jahre 1912 urbarisiert.
Albert Heim schreibt dazu 1932 in seinem Buch «Bergsturz und Menschenleben»: «Menschliche Kulturarbeit hat wohl noch niemals ein grosses Bergsturzgebiet so gründlich überwunden, wie es in Elm seit 1881 vollbracht worden ist. Vom flachen Trümmerstrom sieht man fast gar nichts mehr. Das Zerfallen der Schieferblöcke durch die Verwitterung hat die Arbeit begünstigt. Die Löcher wurden mit den Trümmern zerschlagener Blöcke gefüllt und die ausgeschürfte Ackererde über den Steinschutt gelegt.»
Mit Pickel, Schlegel und Schaufel, mit Schubkarren, Dreibein und Winden arbeiteten Dutzende von Männern während Jahrzehnten auf dem Trümmerfeld. Sie sprengten grosse Felsblöcke, zertrümmerten Steine und ebneten Schutthaufen aus. So verwandelten sie die riesige Steinwüste wieder in ein ansehnliches Landwirtschafts- und Wohngebiet.

Wurde der Abbau von Schiefer nach dem Bergsturz eingestellt?
Nein. Er wurde ein paar Jahre nach dem Bergsturz weitergeführt – diesmal aber unterirdisch, in Stollen.
Welche Zeugen gibt es heute noch vom Bergsturz?
> Der Äschenstein
Nördlich des neu errichteten Dorfteils liess man gleichsam als Denkmal einen rund sechs Meter hohen Felsblock stehen, den Äschenstein. Dieser erinnert an die unvorstellbare Wucht des Ereignisses.

Der Äschenstein mit einem Volumen von 1240 m3 inmitten des Trümmerfeldes, zwei Kilometer vom Ursprung des Bergsturzes entfernt. Heute ist dieser Felsblock ein einsames Mahnmal in urbanisierter Landschaft. Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Ans_15570-04-FL.tif
> Töniberg / Wisli
Bei Töniberg gibt es im Wäldchen von Wisli unveränderte Bergsturz-Ablagerungen. Diese sind mittlerweile von Wald überwachsen.
> Gedenktafel an der Kirche
An einer Aussenwand der Kirche von Elm erinnert eine Gedenktafel an die Opfer des Ereignisses.

Quellen
> Brok, B. den, Caduff, R. & Kempf, O. (2021): Blatt 1174 Elm. – Geol. Atlas Schweiz 1: 25 000, Erläut. 173.
- Oberholzer, J. (1933): Geologie der Glarneralpen. – Beitr. geol. Karte Schweiz [N.F.] 28. download
- Albert Heim: Bergsturz und Menschenleben. Beiblatt zur Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich. Jahrg. 77, No. 20, 1932 download
- Wikipedia: Bergsturz von Elm
Literatur
Walter Fromm: Vor 100 Jahren: Der Bergsturz von Elm. Neujahrsbote für das Glarner Hinterland, 1981.
- UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona: Schicksalhafte Bergwelt. Ausserschulischer Lernort Elm (GL) download
- Heim, Albert: Gutachten über den am 11. September 1881 stattgefundenen Bergsturz bei Elm. Glarus, 1881. download
- Historischer Kalender, oder, Der hinkende Bot: Der Bergsturz von Elm. 1883 download
- Bürkli-Ziegler, A.: Der Bergsturz in Elm. Zeitschrift: Die Eisenbahn = Le chemin de fer, Band (Jahr): 14/15 (1881), Heft 12 download
- Schöbi, Johann: Der Bergsturz zu Elm. Schweizer Schule, Band (Jahr): 23 (1937), Heft 3 download
- Stüssi, Heinrich: Schiefer – Schicksalsgestein des Sernftales. Zeitschrift: Die Schweiz = Suisse = Svizzera = Switzerland. Band (Jahr): 55 (1982). download
Links
Eine menschengemachte Katastrophe. NZZ, 09.09.2006
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann


