Felssturz 1881 · Im Raum Las Plattas / Val dallas Plattas, nördliches Val Sumvitg · GR

Felssturz im Val Sumvitg, 1881

Wenn man von Surrein aus ins Val Sumvitg fährt, erreicht man als erstes die Lokalität Portas. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tales zieht im dichten Wald eine von weitem sichtbare Runse vom oberen Rand bis zum Fluss des Tales, dem Rein

Wenn man von Surrein aus ins Val Sumvitg fährt, erreicht man als erstes die Lokalität Portas. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tales zieht im dichten Wald eine von weitem sichtbare Runse vom oberen Rand bis zum Fluss des Tales, dem Rein da Sumvitg hinunter.

In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts ereignete sich an dieser Lokalität ein Felssturz (gemäss Berichterstattung der NZZ ein «bedeutender Bergsturz»). Danach verhielt sich die noch verbleibende lose Fels- und Steinmasse ziemlich ruhig.

Im Mai 1881 kam in die Felsmasse, die beim Ereignis in den 40er Jahren nicht abgestürzt war, wieder Bewegung. Fast jede Minute stürzten kleinere oder grössere Steinablösungen mit fürchterlichem Gekrach über die steile, hohe Felswand in die enge Tobelschlucht hinunter, wobei jedesmal grosse, dichte Staubwolken in die Höhe wirbelten und die Gegend in dichten Nebel einhüllten. Der zu beiden Seiten liegende Wald sah auf weite Entfernung aus wie grau gepudert.

Der Rein da Sumvitg wurde vom herunterfallenden Material derart aufgestaut, dass sich «ein tiefes Seebecken» bildete. Man befürchtete, dass es bei dieser grossen Anhäufung von Geschiebe im Bachbett bei allfällig eintretendem Hochwasser ein Ausbruch eintreten könnte, welcher in erster Linie Surrhein, aber auch die ganze Rheingegend stark bedrohen und gefährden könnte.

Was geschah am 11. August?

Am 11. August kam es gemäss NZZ zu einer besonders starken, «Besorgnis erregenden Ablösung». In den auf der anderen Talseite liegenden, ungefähr eine halbe Stunde entfernten Dörfern Rabius und Somvix hörte man von morgens bis abends ein zunehmend stärkeres «Gekrach».

Von Somvix aus sah man, wie in der dem Dorfe zugekehrten Felswand Felsblöcke und Baumstämme hinunterstürzten. Am Abend war das ganze Tal von einer Staubwolke erfüllt, die wie ein dichter Nebel erschien. Sie verbreitete «einen stinkenden Modergeruch». Die Wolke reichte bis nach Tavanasa. In Disentis hielt man sie für den Rauch eines grossen Brandes. In Rabius waren ein Tag später nicht nur die Bäume, sondern auch die Tische und Bänke in den Häusern mit einer Staubschicht bepudert.

Medienberichte zum Ereignis

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 160, 10. Juni 1881

Der „Freie Rhätier“ enthält eine Korrrespondenz aus Truns, der wir folgende Sätze entnehmen: Am Eingange des Somvixer-Tobels bietet sich gegenwärtig dem Auge des Passanten ein imposantes Schauspiel dar. Da wo in den 40er Jahren ein bedeutender Bergsturz stattgefunden hatte und seither die zuoberst noch zurückgebliebene lose Fels- und Steinmasse sich ziemlich ruhig verhielt, hat es nun seit ungefähr einem Monat gewaltig zu rumoren begonnen.

Die lose noch mächtige Masse hat sich wieder in Bewegung gesetzt, in Folge dessen sich so zu sagen ohne Unterbrechung, fast jede Minute grössere oder kleinere Steinablösungen mit fürchterlichem Gekrach über die steile hohe Felswand in die enge Tobelschlucht stürzen, wobei jedesmal grosse dichte Staubwolken in die Höhe wirbeln und die Gegend wie in dichten Nebel einhüllen.

Heimelig ist’s in dieser staubigen Schlucht gegenwärtig nicht, wo der Beobachter so viel Staub einathmen muss und nicht die gewünschte Flüssigkeit bei sich hat, denselben von Zeit zu Zeit abzuspühlen. Der dort zu beiden Seiten liegende Wald sieht auf weite Entfernung wie grau gepudert aus; das Tobelwasser ist vom herunterfallenden Material bereits derart aufgestaut, dass sich ein tiefes Seebecken gebildet hat und noch harrt eine viel grössere Masse des jähen Sturzes ins tiefe Tobel.

An Ort und Stelle geht die Sache ohne besondere Gefahr und grössern Schaden vorüber, zu befürchten ist aber sehr, dass bei der grossen Aufhäufung von Geschiebe im Tobelbett bei allfällig eintretendem Hochwasser ein gewaltiger Ausbruch eintreten könnte, welcher zuerst Surrhein und dann die ganze Rheingegend stark bedrohen und gefährden könnte.

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 234, 23. August 1881 Ausgabe 02

Graubünden. (I Korr.). Das auf der rechten Thalseite des Vorderrheins bei Surrhein-Somvix ausmündende Somvixerthal bildet an seinem Ausgang etwa eine Viertelstunde hinter Surrhein eine von zwei hohen, steilen, stellenweise fast senkrechten, zum grösseren Theil bewaldeten Bergabhängen begrenzte, tief eingeschnittene Schlucht, durch welche der wilde Thalbach, genannt Somvixerrhein, herausströmt und unterhalb Surrhein vom Vorderrhein aufgenommen wird. Auf dem linken Bergabhange dieses Seitenthals führt ein steiler, schmaler Weg in das romantische Somvixerthal.

Hoch oben auf dem gegenüberstehenden Bergabhange, in der Enge der Schlucht, ist seit letztem Frühjahr eine beständige Felsablösung in Bewegung und bildet jetzt vom Waldsaume weg bis zum Flussbette hinunter eine kahle, trockene und staubige Rüfe. Immerwährend trennen sich oben von dem zerklüfteten, verwitterten, mit Erde gemengten Kalkgestein kleine und grössere Felsstücke ab und rollen in die Tiefe.

Eine besonders starke, Besorgniss erregende Ablösung hat am 11. d. M. stattgefunden. In den auf der anderen Thalseite liegenden, ungefähr eine halbe Stunde entfernten Dörfern Rabius und Somvix hörte man vom Morgen bis zum Abend ein immer steigendes Gekrach.

Von Somvix aus sah man auf der dem Dorfe zugekehrten Rüfe grössere Steine und Baumstämme herunterstürzen. Am Abend lagerte im ganzen Thale eine, wie ein dichter Nebel ausgebreitete Staubwolke, weit und breit einen stinkenden Modergeruch verbreitend. Wie wir vernahmen, hat diese Staubwolke von jenem bis nach dem anderthalb Stunde entfernten Tavanasa heruntergereicht. In dem zwei Stunden entfernten Disentis hielt man die Staubwolke für den Rauchqualm eines grossen Brandes. In Rabius waren am folgenden Morgen die Bäume und selbst die Tische und Bänke in den Häusern mit einer Staubschichte bepudert.

Das den Sommer hindurch heruntergekommene Material hat sich in der Tiefe zu einem breiten und fast thurmhohen Damm aufgeschichtet und weiter hinten den Somvixerrhein zu einem schönen, tiefen See aufgestaut. Man ist nicht ohne Besorgniss, namentlich in Surrhein und im nahegelegenen Truns, dass bei einem grösseren Andrang durch ein Hochwasser dieser Wall durchbrochen und im Thale arge Verheerungen angerichtet werden könnten. In der That ging beim letzten nicht sehr bedeutenden Regenwetter dieser Bach bereits sehr schlammig und hoch. Auch ist nicht abzusehen, was für ein Ende, welchen Ausgang diese Felsablösung nehmen wird; wie es heisst, hat man auf den oberhalb der Rüfe liegenden Maiensässen ziemlich weit Risse und Senkungen wahrgenommen, die einen Bergsturz befürchten liessen.

Das Naturereigniss an der Rüfe ist interessant und sehenswerth. Steigt man den Weg in’s Somvixthal bis zur Höhe hinauf, so kommt man unmittelbar der Rüfe gegenüber zu stehen und kann von da aus in ganz sicherer Lage jeden herunterrollenden Stein von oben bis unten mit freiem Auge verfolgen. Bei grösseren Ausbrüchen wirbelt eine dicke Staubwolke wie ein schwarzer Rauchqualm um das herabstürzende Gestein, das sich mit Getöse die Rüfe herunterwälzt und dann auf einmal in Stücke zerfällt, die aus der Wolke herausfliegen.

Wir haben eine Stunde lang diesem Schauspiel zugesehen, es verging keine Minute, dass nicht Material herunterkam. Wer die Gegend bereist, lasse sich die Mühe nicht reuen, diesen kleinen Abstecher zu machen. In einer halben von der Strasse aus oder in dreiviertel Stunden von Truns oder Somvix aus ist man zur Stelle und ist keiner anderen Gefahr ausgesetzt, als einigen Staub verschlucken zu müssen, man thut deshalb gut, eine gefüllte Feldflasche mitzunehmen.

Journal du Jura, Nummer 203, 25. August 1881

GRISONS. — Les rochers du Tobel à Somvix étaient détachés en partie au printemps dernier. Un nouvel éboulement a eu lieu le 11 courant avec un bruit semblable aux roulements du tonnerre; d’épais nuages de poussière ont couvert la vallée et se sont abattus jusqu’à une demilieue de distance, sur le village de Rabius. Les décombres ont changé en lac les eaux du ruisseau du Tobel. Surrhein est de nouveau très en danger. L’ébranlement causé par cet éboulement partiel de la montagne a été si violent que l’on a cru à Dissentis à un tremblement de terre.

Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

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