St. Galler Volksblatt, 25. April 1888
Grabs. Am Grabserberge zeigten Freitags bedeutende Erdrisse und eine Terrainrutschung von zirka 300 Meter Länge, so dass 6 Häuser und 4 Ställe, welche gefährdet erscheinen, geräumt werden mussten. Weitere Gefahr ist möglich. Sollte sich der ganze bedrohte Komplex wirklich ablösen und in die Tiefe rutschen, so wäre eine Stauung des Grabserbaches fast unausweichlich, was zu Katastrophen führen könnte, die für das ganze grosse Dorf Grabs schwere Folgen nach sich ziehen müsste.
St. Galler Volksblatt, 28. April 1888
Erdrutsch in Grabs. Die Rutschfläche hat eine Ausdehnung von 8—10 Hektaren ( ca. 300 Meter Breite und 400 Meter Länge ) und das in Bewegung befindliche Gebiet ist etwa 2 Meter abwärts gerutscht. Seither hat sich die Situation verschlimmert, so dass am Samstag Abend ausser dem Schulhaus 7 Wohnhäuser und 4 Ställe in Gefahr waren. Auf Anordnung des Gemeinderathes ist die Räumung der Wohnhäuser erfolgt.
Das ganze Terrain zeigt grosse, lange, bisweilen metertiefe Spalten und Risse. Einige hundert Meter unter dem Schulhaus bildete sich in der ganzen Breite ein ungefähr meterhoher Erdwall, an andern Orten wieder scheint der Boden gehoben und über den tiefer liegenden hingeschoben worden zu sein. Diese Erscheinung ist um so eigenthümlicher, als man bisher glaubte, man befinde sich auf ganz festem Boden; die Ursachen sind wohl schwerlich genau und sicher herauszufinden.
An einigen Stellen kommt Wasser zum Vorschein und an einigen andern Stellen ein breiartiger, grauer Schlamm. Vielleicht liegt die Ursache gerade im Vorhandensein dieser Bodenart und einer grossen Wassermenge, die durch Schmelzen des vielen Schnees entstanden ist.
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

