Am 26. richteten Unwetter in der Gemeinde Tal, wo namentlich der Freienbach verheerend über die Ufer trat, schweren Schaden an.
Quelle
St. Galler Chronik für das Jahr 1895. Neujahrsblatt / Historischer Verein des Kantons St. Gallen. Band 36, 1896. download
Medienberichte
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 212, 2. August 1895
Wassersnot im St. Gallischen Rheinthal. In der Gemeinde Thal hat ein Wolkenbruch am letzten Freitag grosse Verheerungen angerichtet. Dem „Allgemeinen Anzeiger“ von Rheineck entnimmt das „St. Galler Tagblatt“ folgende Schilderungen: „Die Schnelligkeit, mit welcher der eingetretene Wolkenbruch die Wasserläufe schwellte und zum Ueberborden brachte, muss eine geradezu phänomenal gewesen sein; der Steinlibach und der Freibach wuchsen zu Strömen an und verursachten furchtbaren Schaden. Letzterer, das Werk einer halben Stunde, wird allein in der Gemeinde Thal auf weit über 100’000 Fr. geschätzt.
Das grösste Unheil richtete der Freibach (resp. Gstaldenbach) an. Furchtbare Bilder der Zerstörung bieten sich bei der Steinstegemühle, bei der Thalmühle, bei der Wolfsgrube (wo der schöne Garten des Herrn Gemüsehändler Lutz mit Schlamm und Schutt überführt wurde, während hier und in der Heimat des Herrn Gasser Pferde, Vieh und Geräte eine Zeit lang meterhoch im Wasser standen) namentlich aber bei der Kartonfabrik in Thal. Bei der dortigen Ueberwölbung des Baches verbarrikadierten Stämme und Holzwerk die Passage der tobenden Wassermenge dermassen, dass der auf dem Bachgewölbe ruhende Mittelbau infoige des Wasseranpralles unter furchtbarem Getöse teilweise einstürzte und das darin befindliche Lager von zirka 500 Centner Karton ganz von den Fluten fortgespült wurde.
Noch mehr als vorher wurde jetzt der Durchlass des Wassers gehemmt und ergoss sich dasselbe nun durch die übrigen Teile des Gebäudes, die grossen Maschinen, Transmissionsanlagen, Gerätschaften und Warenlager teils tief unter Wasser setzend, teils mit sich fortreissend. Im ganzen gingen hier über 700 Centner Karton verloren, die allein einen Wert von zirka 10’000 Fr. repräsentieren. Ferner wurden die grossen Maschinen schwer beschädigt und von Schlamm und Geschiebe bis zur Unkenntlichkeit bedeckt, so dass es vieler Arbeit und Zeitaufwandes bedarf, bis die Fabrik dem regelmässigen Betrieb wieder übergeben werden kann. Vor der Ueberwölbung lag am Morgen ein Chaos von Balken, Steinen, Gestrüpp, Bäumen und dergleichen, ja sogar ein grosser Torkelbaum hatte sich dort dem Wasser quer in den Weg gelegt.
Schwer beschädigt wurden ferner die der Kartonfabrik gegenüber, etwas tiefer gelegene Küferei des Herrn Heim und der Garten von Bäcker Betschmann; bei Küfer Herzog wurden bedeutende Holzvorräte, einige Fässer und ein schwerer Ambos fortgeschwemmt. Die Fluten hatten fast überall eine solche Gewalt, dass Steine, welche von zwei Pferden kaum fortgeschleppt werden könnten, weiter gewälzt wurden. Im Armenhaus Thal erreichte das Wasser eine Höhe von 180 Centimetern. In Strömen überflutete es in weitem Umkreis alle Wiesen, Aecker, Gärten und niedrig gelegenen Lokalitäten, schwemmte das vielerorts liegende Emd fort und vernichtete in Gärten und Aeckern den bevorstehenden Herbstnutzen fast gänzlich.
Ein grosses Quantum Seidenbeuteltuch, das im Parterre des Geschäftshauses der Herren Dufour und Cie. lagerte, konnte nur mit knapper Not vor Durchnässung und Vernichtung gerettet werden. Verhältnismässig wenig Schaden hatte der Steinlibach angerichtet; am übelsten hauste er in der Ausmündung in den Rhein, wo er die neu erstellten Wuhre total einriss und noch einen ziemlichen Teil Neuland mit sich fortschwemmte.
„Bei diesem Anlasse“, bemerkte der „Anzeiger“, „haben sich neben den Vorzügen der Steinlibachkorrektion auch die Fehler bemerklich gemacht, welche bei derselben gemacht wurden; wir meinen damit die Erstellung der Wuhre in der Buchsteig mit sogenannten „Bachkugeln“ und die Töberbrücke mit ihren allzu tief gehenden gewaltigen Trägern, die einer Eisenbahnbrücke wohl anständen, aber trefflich geeignet sind, das Wasser zu stauen und zu zwingen, sich seitwärts zu ergiessen und endlich den zu schmalen Auslauf des Baches in den Rhein.“
Rheineck ist im ganzen glimpflich davon gekommen; furchtbar schwoll dagegen der das Dorf Berneck südlich umlaufende Littenbach, von Oberegg kommend, an. In der Papierfabrik und Obermühle sind alle Wuhre weggerissen, das Waschhaus von Zimmermeister Dierauer ist samt Grund und Boden verschwunden und bis zum Littensteg sind die angrenzenden Kulturen, Mais, Korn und Kartoffeln, abwechselungsweise links und rechts überschwemmt und vernichtet; von hier aus trat der Bach nicht mehr über. Auf dem Schlamm lagen die schönsten Fische zahlreich umher. Die Katastrophe trat rasch ein und hatte in wenigen Minuten viel Schaden verursacht.
Im Appenzellerland scheint die Gemeinde Heiden am schwersten mitgenommen worden zu sein; wir haben über die dortigen Schädigungen bereits berichtet. Auch Oberegg hatte seinen Teil bekommen. Von neuem ist durch das Elementarereignis vom 26. Juli 1895 die Notwendigkeit einer gründlichen Korrektion auch des Bächlerbaches zu Tage getreten; ferner erinnert der „Anzeiger“ an die Pflicht Ausserrhodens, auch auf seinem Gebiete des Steinlibaches Thalsperren zu erstellen.
der Bericht in e-newspaperarchives
Der Bund, Band 46, Nummer 210, 31. Juli 1895
Witterung. Der Freitag abends zwischen 7—8 Uhr über das appenzellische Vorderland niedergegangene Wolkenbruch hat die sich dem Thalgelände Thal – Rheineck zu ergiessenden Wasserläufe zu mächtig starken.Wildbächen angeschwellt, welche bedeutende Verheerungen anrichteten. So sind namentlich viele Schlipfe, Rutschungen, Überschwemmungen mit Verschüttungen und Versandungen in und um das Dorf Thal vorgekommen.
Insbesonders heftig wütete der von Heiden herkommende Bach, Brücken und eiserne Stege wegreissend, gegen das Dorf Thal, Geröll und Geschiebe, Tannenstämme und schwere Steine in die anliegenden Wiesen hinausführend. Am grössten sind die Verwüstungen in der Wolfsgrub, bei der Papierfabrik von Lutz zum „Ochsen“ und bei der Armenanstalt. In der Gemeinde Rheineck vermochten die guten Dämme an den betreffenden Bächen den überaus hoch daherstürmenden Wassermassen gut Stand zu halten und liefen, wie der „St. G. Stadtanzeiger“ berichtet, mit Ueberbordungen ohne Einbrüche in den glücklicherweise niedrig gehenden Rhein.
der Bericht in e-newspaperarchives
Seeländer Bote, Band 46, Nummer 92, 1. August 1895

Die Ostschweiz, 30. Juli 1895

St. Galler Volksblatt, 31. Juli 1895



Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

