Erdbeben 1905 · GR

Die Erdbebenserie in der Region Domat/Ems – Tamins – Rhäzüns, 1905/1906

«Summa Summarum: Der Herrgott hat das rätische Völklein zu Weihnachten ziemlich energisch am linken Ohrläppchen gezupft und seine ‹bescheidenen› Kinder wieder einmal deutlich an ihre ‹Allmacht› erinnert.» (Kommentar der «Engadiner Post» zur

«Summa Summarum: Der Herrgott hat das rätische Völklein zu Weihnachten ziemlich energisch am linken Ohrläppchen gezupft und seine ‹bescheidenen› Kinder wieder einmal deutlich an ihre ‹Allmacht› erinnert.»

(Kommentar der «Engadiner Post» zur Erdbebenserie im Churer Rheintal, 1905)

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Was ist eine Erdbebenserie?

Ein Erdbeben ist ein Ereignis, das aus einem Hauptbeben sowie zahlreichen schwächeren Nachbeben besteht.
Ein Erdbeben ist ein Ereignis, das aus einem Hauptbeben sowie zahlreichen schwächeren Nachbeben besteht. In seltenen Fällen kündigt sich das Hauptbeben durch Vorbeben an.
Von einer Erdbeben-Serie spricht man dann, wenn sich in derselben Region innerhalb eines bestimmten Zeitraums mehrere Erdbeben ereignen.
Von einer Erdbeben-Serie spricht man dann, wenn sich in derselben Region innerhalb eines bestimmten Zeitraums mehrere Erdbeben ereignen. Es besteht keine klare Abfolge von Vor-, Haupt- und Nachbeben.

1. Übersicht über die Ereignisse

Die Erdbeben-Serie in der Region Domat/Ems – Tamins – Rhäzüns begann am 20. Dezember mit einer ersten Erschütterung, der in den folgenden Tagen zahlreiche leichte Stösse folgten. Am 25. Dezember um 18:05 Uhr und am 26. Dezember um 01:25 Uhr kam es zu zwei relativ starken Beben, die beide leichte Schäden verursachten. Danach traten leichtere Stösse auf. Die letzte wahrnehmbare Erschütterung wurde am 25. Januar 1906 verzeichnet.

Die meisten Zeitungen der Region, aber auch solche aus anderen Gegenden der Schweiz, berichteten in sachlichem Ton von den Beobachtungen, die gemacht wurden. Oftmals handelte es sich allerdings um Informationen aus zweiter Hand, vor allem um Berichte, die bereits in anderen Zeitungen gedruckt worden waren. Die Anzahl der Zeitungsnachrichten ist in diesem Sinn zu relativieren.

Ein weiteres Problem stellt sich bezüglich der Zuordnung der Schäden. Die Schaden verursachenden Erschütterungen erfolgten in kurzen Abständen, sie wurden folglich in der Berichterstattung nicht immer genau voneinander getrennt. So wird beispielsweise aus Churwalden von Rissen in Hausmauern und von heruntergefallenen Dachziegeln berichtet. Dabei wird allerdings nicht unterschieden, welche der Erschütterungen dazu geführt hatte. Auch mit Datum und Zeit nahmen es nicht alle Berichterstatter genau. Bei der Auswertung der Zeitungsberichte musste diesen Schwierigkeiten Rechnung getragen werden.

Die 1878 gegründete Schweizerische Erdbebenkommission beschäftigte sich ebenfalls intensiv mit dem Ereignis. Dabei stützte sie sich entweder auf Berichte, die ihr in den Tagen nach den Beben zugestellt worden waren, oder sie war gezwungen, sich auf Zeitungen zu verlassen. Die Informationen dienten als Fundament für ausführliche Beschreibungen der verschiedenen Beben, wobei auch Überlegungen zu Ursache und Stärke der Erdbeben einflossen. Ein Vergleich der Berichte mit den Zeitungsmeldungen zeigt, dass die Beobachtungen weitgehend übereinstimmen. Die Zeitungsmacher waren offensichtlich einer genauen Wiedergabe der Tatsachen verpflichtet und verzichteten auf Übertreibungen. Im Folgenden werden die stärksten Stösse einzeln vorgestellt.

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Verschiedene Ereignisse der Erdbebenserie vom Dezember 1905 in der Region Domat/Ems – Tamins – Rhäzüns. Innerhalb dieses Zeitraumes ereigneten sich auch im Raum Davos und Bludenz A Erdbeben. Sie stehen aber mit dieser Erdbebenserie in keinem Zusammenhang. Hier werden die Intensitätswerte erläutert.

In der Liste der Schadensbeben ist auch bemerkenswert, dass die zwei Beben vom Dezember 1905 mit Intensitäten von VII und VI innerhalb von nur 24 Stunden aufgetreten sind. Die Entfernung zwischen den angegebenen Epizentren dieser zwei Beben (Domat-Ems und Tamins) beträgt nur rund 10 km, was weniger als die Unsicherheit der Lokalisierungen ist. Der kurze Zeitabstand und die geringe Entfernung zwischen den zwei Erdbeben sowie weitere kleinere Beben, die vorher und nachher in der gleichen Gegend aufgetreten sind, lassen darauf schliessen, dass diese zwei Ereignisse Teil eines länger andauernden Schwarmes waren.

Quellen

Links

Erdbebenkatalog ECOS-09 (Earthquake Catalog of Switzerland 2009)

2. Das Ereignis vom 25. Dezember 1905 um 18:05 Uhr

Wann: 25. Dezember 1905, 18:05 Uhr

Wo (Epizentrum): Region Domat/Ems

Tiefe des Erdbebenherdes (Hypozentrum): 12 km

Magnitude: 4.7

Stärkste Auswirkung (Intensität): VII (Im Epizentralgebiet: VI)

Intensität VI bedeutet: Wird von den meisten Personen innerhalb von Gebäuden wahrgenommen, ausserhalb von den meisten. Viele Personen in Gebäuden erschrecken und flüchten nach draussen. Kleine Gegenstände fallen herunter. Leichte Schäden an normalen Gebäuden, so etwa Risse und Ausbrüche in Verputzen.

Intensität VII bedeutet: Die meisten Personen in Gebäuden erschrecken und flüchten nach draussen. Möbel verrutschen und viele Gegenstände fallen aus Regalen und offenen Schränken. Viele normale Gebäude werden beschädigt, so etwa durch Mauerrisse und teilweise einstürzende Kamine. zur Intensitätsskala

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Diese Karte zeigt, wo das Beben welche Auswirkungen (Intensität) hatte. Im Epizentralbereich hatte es mit Intensität VI die stärksten Auswirkungen. Hier werden die Intensitätswerte erläutert. Quelle: Schweizerischer Erdbebendienst. zur interaktiven Version dieser Karte

Der erste der zwei stärksten Erdstösse der Serie wurde im ganzen Kanton Graubünden, im östlichen Tessin, in der Nordostschweiz, an mehreren Orten im bayerischen Alpenvorland und im Vorarlberg (namentlich im Montafonertal und im Bregenzerwald) beobachtet. Im Westen wurde er vereinzelt bis nach Luzern verspürt.

Die Orte, in denen die Wirkung verhältnismässig stark war, liegen fast alle in einem Umkreis von 15 bis 20 Kilometer um Chur herum. Durch den Stoss wurden Vasen und andere kleine, leicht zerbrechliche Gegenstände umgeworfen und zerstört. Die Häuser wurden stark erschüttert; das Holzwerk krachte, so dass zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner aus Furcht ihre Häuser verliessen. Auch im Freien wurde die Erschütterung zum Teil sehr stark wahrgenommen, so dass Betroffene nach eigenen Aussagen «wie Betrunkene» schwankten.

Zum Zeitpunkt der Erschütterung wurden in verschiedenen Kirchen Gottesdienste abgehalten; einzelne Personen gerieten in Panik. In Rothenbrunnen fielen Kaminbruchstücke auf die Kochherde hinunter; von einer Felswand zwischen Rothenbrunnen und Tumegl/Tomils lösten sich Steine und rollten ins Tal. Die Einwohner und Einwohnerinnen verliessen ihre Häuser (de Quervain, 1906, S. 10; Der freie Rätier, 30.12.1905).

Im benachbarten Paspels erlitt das Gewölbe der Kirche einige kleine Risse und Verputz fiel herab. Auch Felsberg war betroffen: «Zwei ungewöhnlich starke Erdstösse am 25. und 26. d[ieses Monats]. […] Dazwischen hinein waren eine ganze Anzahl von schwächeren Erschütterungen […] zu konstatieren. Namentlich der erste Stoss, der nach unserer Auffassung vertikaler Richtung war, erregte durch seine Intensität etwelche Bestürzung; die Scheiben erklirrten vernehmlich, Hängelampen gerieten ins Schwanken, ebenso Porträts; auch die Haustiere zeigten deutlich ein ängstliches Benehmen. Im alten Dorf entstanden an einem älteren Gebäude starke Risse; von einer Mauerruine ist ein Stück nieder gestürzt.» (Der freie Rätier, 28. Dezember 1905).

In Flims stürzte an einem Neubau ein Teil des Gerüsts ein. In Arosa kam es zu leichten Rissen in einer Gipsdecke, in Chur zum Einsturz eines Ofens. Der Sekretär der Rhätischen Bahn in Chur gab folgende zusammenfassende Darstellung: «Gestern den 25. d. abends 6h 07m ereignete sich hier ein ziemlich heftiges Erdbeben, verbunden mit donnerähnlichem Getöse. Der erste Eindruck war der, dass im obern Stockwerk ein grosses Möbelstück umgefallen sei, dann folgten etwa 4 Sekunden lang vertikale Erschütterungen. Ein zufällig im Zimmer stehender Christbaum kam so ins Schwanken, dass er umzufallen drohte. Es schien mir, dass der Erdstoss in der Richtung W-E stattfand.» (de Quervain, 1906, S. 12).

Von Ems wird berichtet: «Es war während der Rosenkranzandacht, und die Kirche voll gefüllt. Da erfolgte plötzlich ein gewaltiger Erdstoss, es begann ein Beben; Bänke, Kerzen, ja sogar Altäre wackelten; Leute zitterten, Gesang und Orgel verstummten. Im Chor war ein Jammern und Durcheinanderlaufen der Kinder. Auch Erwachsene wurden von einem panischen Schrecken ergriffen und flüchteten sich zur Kirche hinaus; an dem Portal war ein heftiges Gedränge. Man befürchtete den Einsturz des Gewölbes.» (de Quervain, 1906, S. 10).

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Aufzeichnung des Bebens vom 25. Dezember 1905, 18:05 Uhr auf berusstem Papier durch die Erdbebenwarte München (rund 260 km vom Epizentrum entfernt). Gemäss diesem Seismogramm führten die Erdbebenwelle bei der Erdbebenwarte um 18:06:51 Uhr zu den ersten Bodenbewegungen.

Bibliographie gemäss ECOS

  • Anonymus, (1905): Tremblement du terrre du 25, Schweizerischer Erdbebendienst Zürich, ZUERICH, ohne Signatur
  • Bachmann, Hans (1907): Naturchronik 1902-1905, Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Luzern 5 (1903-1907), Luzern, Buchdruckerei J. Schills Erben, ETH Bibliothek Zürich, ZUERICH, BOT 13 (1903-07)
  • Bartel, Otto und Adolf Jenny (1931): Glarner Geschichte in Daten. Bd. II, Glarus, Neue Glarner Zeitung, Landesbibliothek Glarus, GLARUS, 949.49
  • Schweizerische Erdbebenkommission (ed.), (1880-1962): Jahresberichte des Schweizerischen Erdbebendienstes, Schweizerischer Erdbebendienst Zürich, ZUERICH, ohne Signatur
  • Thurgauer Zeitung, Frauenfeld, Huber & Co, Frauenfeld, 29.12.1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1114
  • Thurgauer Zeitung, Frauenfeld, Huber & Co, Frauenfeld, 28.12.1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1114
  • Thurgauer Zeitung, Frauenfeld, Huber & Co, Frauenfeld, 27.12.1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1114
  • Neue Zürcher Zeitung und Schweizerisches Handelsblatt, Zürich, N° 358, 1. Abendblatt, 1905, Zentralbibliothek Zürich, ZUERICH, Mikrofilm
  • Neue Zürcher Zeitung und Schweizerisches Handelsblatt, Zürich, N° 358, Morgenblatt, 1905, Zentralbibliothek Zürich, ZUERICH, Mikrofilm
  • Neue Zürcher Zeitung und Schweizerisches Handelsblatt, Zürich, N° 357, 1. Abendblatt, 1905, Zentralbibliothek Zürich, ZUERICH, Mikrofilm
  • Neue Zürcher Zeitung und Schweizerisches Handelsblatt, Zürich, N° 358, 2. Abendblatt, 1905, Zentralbibliothek Zürich, ZUERICH, Mikrofilm
  • Neue Zürcher Zeitung und Schweizerisches Handelsblatt, Zürich, N° 375, 2. Abendblatt, 1905, Zentralbibliothek Zürich, ZUERICH, Mikrofilm
  • Appenzeller-Zeitung, Herisau, Schläpfer & Cie. in Herisau, N° 304, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 810
  • Der Landbote und Tagblatt der Stadt Winterthur, Winterthur, N° 306, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zq 229, FRg 446
  • Basellandschaftliche Zeitung, Tagblatt von Baselland, Liestal, Gebr. Lüdin, Liestal, N° 304, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 814
  • Basellandschaftliche Zeitung, Tagblatt von Baselland, Liestal, Gebr. Lüdin, Liestal, N° 306, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 814
  • St. Galler Tagblatt. Tagblatt der Stadt St. Gallen und der Kantone St. Gallen, Appenzell und Thurgau, St. Gallen, Zollikofer’sche Buchdruckerei, N°303, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1066
  • St. Galler Tagblatt. Tagblatt der Stadt St. Gallen und der Kantone St. Gallen, Appenzell und Thurgau, St. Gallen, Zollikofer’sche Buchdruckerei, N°306, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1066
  • St. Galler Tagblatt. Tagblatt der Stadt St. Gallen und der Kantone St. Gallen, Appenzell und Thurgau, St. Gallen, Zollikofer’sche Buchdruckerei, N° 305, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1066
  • St. Galler Tagblatt. Tagblatt der Stadt St. Gallen und der Kantone St. Gallen, Appenzell und Thurgau, St. Gallen, Zollikofer’sche Buchdruckerei, N°304, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1066
  • Basler Nachrichten, mit Finanz- und Handelsblatt – Intelligenzblatt der Stadt Basel – Sonntagsbeilage, Basel, Buchdruckerei z. Basler Berichthaus A.-G., N° 356, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 766, FRg 380
  • Feuille d’Avis de Vevey et des cercles de La-Tour-de-Peilz et de Corsier, Vevey, N°305, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 876
  • Schwyzer Zeitung. Konservatives Organ für den Kanton Schwyz, Schwyz, Emil Steiner, Bahnhofstrasse, Schwyz, Nr. 103, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1091
  • Der Bund, Bern, Jent & Reinert, Bern, N° 609, 1905, Morgenblatt, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1037, FRg 416
  • Neue Glarner Zeitung. Freisinniges Organ des Kantons Glarus und der Nachbarbezirke, G. A. Frey, Glarus, D. Hefti & D. Bartel, Nr. 301, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 712
  • Neue Bündner Zeitung, Chur, Nr. 304, 1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, BZ 49
  • Neue Bündner Zeitung, Chur, Nr. 305, 1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, BZ 49
  • Neue Bündner Zeitung, Chur, Nr. 306, 1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, BZ 49
  • Neue Bündner Zeitung, Chur, Nr. 307, 1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, BZ 49
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr.306, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr. 2, 1906, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr. 304, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr. 305, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr. 306, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr. 7, 1906, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Oltner Tagblatt, Olten, Buchdruckerei Dietschi, N° 303, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 865
  • Le Démocrate, Journal politique Suisse, Delémont (Delsberg), Imprimerie Boechat & Cie, N° 8787, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 816
  • Davoser Zeitung, Davos, Buchdruckerei Davos A.-G., Nr. 153, 105, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 837, FRg 379
  • Davoser Zeitung, Davos, Buchdruckerei Davos A.-G., Nr. 152, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 837, FRg 379
  • Bündner Post, Thusis, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 455
  • Corriere del Ticino, Lugano, N° 294, 1905, Archivio di Stato, BELLINZONA, 0/068/07E2
  • Engadiner Post und Anzeige-Blatt für das Ober- und Unter-Engadin, St. Moritz, Manatschal, Ebner & Cie., Nr. 52, 28.12.1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, Bz 100
  • La Rezia. Giornale democratico del Cantone Grigione, Grono (Mesolcina), N°52, 1905, Archivio di Stato, BELLINZONA, 0/068/01E1
  • Popolo e Libertà, Locarno, Lugano, Bellinzona, N°302, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 780
  • Popolo e Libertà, Locarno, Lugano, Bellinzona, N°300, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 780
  • Vasella, Giovanni (1905): Brief an einen Freund, Chur, Staatsarchiv Graubünden, CHUR, ohne Signatur

Quellen

Monika Gisler, Markus Weidmann, Donat Fäh: Erdbeben in Graubünden. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Verlag Desertina, 2005

3. Das Ereignis vom 25. Dezember 1905 um 18:30 Uhr

Wann: 25. Dezember 1905, 18:30 Uhr

Wo (Epizentrum): Region Rhäzüns

Magnitude: 3.6

Stärkste Auswirkung (Intensität) der Erdbeben: IV

Intensität IV bedeutet: Von vielen Personen innerhalb von Gebäuden wahrnehmbar, ausserhalb nur von einigen. Manche Schlafende erwachen. Die Stärke der Erschütterungen ist nicht beängstigend. Fenster, Türen und Geschirr klappern, hängende Objekte beginnen zu schwingen. zur Intensitätsskala

Abbildung zu «Die Erdbebenserie in der Region Domat/Ems – Tamins – Rhäzüns, 1905/1906»

Diese Karte zeigt, wo das Beben welche Auswirkungen (Intensität) hatte.

Im Epizentralbereich hatte es mit Intensität IV die stärksten Auswirkungen. Hier werden die Intensitätswerte erläutert. Quelle: Schweizerischer Erdbebendienst. zur interaktiven Version dieser Karte

Dieses Beben wurde deutlich, jedoch nur in bestimmten Gebieten innerhalb des Kantons beobachtet. Es war einiges schwächer als das vorangegangene. In Chur wurden um 21:37 und 23:47 Uhr weitere Erschütterungen wahrgenommen. Auch in der zweiten Hälfte der Nacht verspürten die Bewohner und Bewohnerinnen der Region laufend neue Erschütterungen, wie ein Pfarrer aus Paspels berichtet: «Die ganze Nacht rumorte es, als würde das ganze Tal von einem schrecklichen orkanartigen Sturm durchbraust, ein sehr starker Stoss erfolgte dann wieder um 1½ Nachts.» (de Quervain, 1906, S. 12).

Bibliographie gemäss ECOS

  • Schweizerische Erdbebenkommission (ed.), (1880-1962): Jahresberichte des Schweizerischen Erdbebendienstes, Schweizerischer Erdbebendienst Zürich, ZUERICH, ohne Signatur
  • St. Galler Tagblatt. Tagblatt der Stadt St. Gallen und der Kantone St. Gallen, Appenzell und Thurgau, St. Gallen, Zollikofer’sche Buchdruckerei, N° 305, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1066
  • Neue Bündner Zeitung, Chur, Nr. 304, 1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, BZ 49
  • Neue Bündner Zeitung, Chur, Nr. 305, 1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, BZ 49
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr. 304, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • La Rezia. Giornale democratico del Cantone Grigione, Grono (Mesolcina), N°52, 1905, Archivio di Stato, BELLINZONA, 0/068/01E1

Quellen

4. Das Ereignis vom 26. Dezember 1905 um 01:25 Uhr

Wann: 26. Dezember 1905, 01:25 Uhr

Wo (Epizentrum): Region Tamins

Magnitude: 4.7

Stärkste Auswirkung (Intensität) der Erdbeben: VI

Intensität VI bedeutet: Wird von den meisten Personen innerhalb von Gebäuden wahrgenommen, ausserhalb von den meisten. Viele Personen in Gebäuden erschrecken und flüchten nach draussen. Kleine Gegenstände fallen herunter. Leichte Schäden an normalen Gebäuden, so etwa Risse und Ausbrüche in Verputzen. zur Intensitätsskala

Abbildung zu «Die Erdbebenserie in der Region Domat/Ems – Tamins – Rhäzüns, 1905/1906»

Diese Karte zeigt, wo das Beben welche Auswirkungen (Intensität) hatte. Im Epizentralbereich hatte es mit Intensität VI die stärksten Auswirkungen. Hier werden die Intensitätswerte erläutert. Quelle: Schweizerischer Erdbebendienst. Interaktive Version dieser Karte

Um 01:25 Uhr erfolgte das zweite Schaden verursachende Beben, das sogar leicht stärker war als jenes vom Vortag. Die Ausdehnung der Erschütterung entsprach in etwa derjenigen des ersten Stosses, zusätzlich wurde sie bis nach Landshut in Bayern und Innsbruck verspürt. Das erneute Auftreten eines stärkeren Bebens innerhalb von nur neun Stunden führte zu grosser Bestürzung; Schlafende wachten auf, zahlreiche Personen liefen auf die Strassen. Von Chur wird berichtet:

«Auch hier wurden zwei Hauptstösse verspürt, um 6,07 und um 1,20 mit mehreren nachfolgenden Stössen; einer will im ganzen 13 Stösse gezählt haben. […] Die Stösse waren so heftig [,] dass um 6 Uhr Frauen und Männer auf die Strasse stürzten und in der Nacht viele sich anzogen. Es klirrten Fenster und Gläser, erzitterten Türen, und in einem Hause stürzte sogar ein Ofen ein, gerade nachdem ein Kind sich von der gefährlichen Stelle entfernt hatte.» (Neue Bündner Zeitung, 28. Dezember 1905).

In Davos und Arosa packten verschiedene Kurgäste ihre Koffer und reisten am folgenden Tag ab (Neue Bündner Zeitung, 31. Dezember 1905). Von Churwalden wird berichtet, dass die Erschütterung « … noch bedeutend stärker, als die am Abend vorher [war], sodass ziemlich schwere Gegenstände in Bewegung gerieten.» (Der freie Rätier, 29. Dezember 1905).

Die Engadiner Post sah im Erdbeben gar moralische Zeichen: «Summa Summarum: Der Herrgott hat das rätische Völklein zu Weihnachten ziemlich energisch am linken Ohrläppchen gezupft und seine ‹bescheidenen› Kinder wieder einmal deutlich an ihre ‹Allmacht› erinnert.» (Engadiner Post, 28. Dezember 1905). Dieser starken Erschütterung folgten Minuten später zahlreiche schwächere Stösse. Auch in den folgenden Tagen wurden immer wieder Erschütterungen verspürt, bis am 25. Januar 1906 der letzte wahrnehmbare Stoss erfolgte (de Quervain, 1906).

Obwohl man bei der Bestimmung des Epizentrums der Hauptstösse drei verschiedene Gebiete ermittelte (Domat/Ems, Rhäzüns und Tamins), kann davon ausgegangen werden, dass alle Erschütterungen von demselben Erdbebenherd ausgegangen sind.

Bibliographie gemäss ECOS

  • Anonymus, (1905): Tremblement du terrre du 25, Schweizerischer Erdbebendienst Zürich, ZUERICH, ohne Signatur
  • Bachmann, Hans (1907): Naturchronik 1902-1905, Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Luzern 5 (1903-1907), Luzern, Buchdruckerei J. Schills Erben, ETH Bibliothek Zürich, ZUERICH, BOT 13 (1903-07)
  • Bartel, Otto und Adolf Jenny (1931): Glarner Geschichte in Daten. Bd. II, Glarus, Neue Glarner Zeitung, Landesbibliothek Glarus, GLARUS, 949.49
  • Schweizerische Erdbebenkommission (ed.), (1880-1962): Jahresberichte des Schweizerischen Erdbebendienstes, Schweizerischer Erdbebendienst Zürich, ZUERICH, ohne Signatur
  • Thurgauer Zeitung, Frauenfeld, Huber & Co, Frauenfeld, 28.12.1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1114
  • Thurgauer Zeitung, Frauenfeld, Huber & Co, Frauenfeld, 29.12.1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1114
  • Neue Zürcher Zeitung und Schweizerisches Handelsblatt, Zürich, N° 358, 1. Abendblatt, 1905, Zentralbibliothek Zürich, ZUERICH, Mikrofilm
  • Neue Zürcher Zeitung und Schweizerisches Handelsblatt, Zürich, N° 375, 2. Abendblatt, 1905, Zentralbibliothek Zürich, ZUERICH, Mikrofilm
  • Neue Zürcher Zeitung und Schweizerisches Handelsblatt, Zürich, N° 358, Morgenblatt, 1905, Zentralbibliothek Zürich, ZUERICH, Mikrofilm
  • Neue Zürcher Zeitung und Schweizerisches Handelsblatt, Zürich, N° 358, 2. Abendblatt, 1905, Zentralbibliothek Zürich, ZUERICH, Mikrofilm
  • Neue Zürcher Zeitung und Schweizerisches Handelsblatt, Zürich, N° 357, 1. Abendblatt, 1905, Zentralbibliothek Zürich, ZUERICH, Mikrofilm
  • Appenzeller-Zeitung, Herisau, Schläpfer & Cie. in Herisau, N° 304, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 810
  • Der Landbote und Tagblatt der Stadt Winterthur, Winterthur, N° 306, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zq 229, FRg 446
  • Basellandschaftliche Zeitung, Tagblatt von Baselland, Liestal, Gebr. Lüdin, Liestal, N° 306, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 814
  • Basellandschaftliche Zeitung, Tagblatt von Baselland, Liestal, Gebr. Lüdin, Liestal, N° 305, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 814
  • St. Galler Tagblatt. Tagblatt der Stadt St. Gallen und der Kantone St. Gallen, Appenzell und Thurgau, St. Gallen, Zollikofer’sche Buchdruckerei, N°303, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1066
  • St. Galler Tagblatt. Tagblatt der Stadt St. Gallen und der Kantone St. Gallen, Appenzell und Thurgau, St. Gallen, Zollikofer’sche Buchdruckerei, N°306, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1066
  • St. Galler Tagblatt. Tagblatt der Stadt St. Gallen und der Kantone St. Gallen, Appenzell und Thurgau, St. Gallen, Zollikofer’sche Buchdruckerei, N° 305, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1066
  • St. Galler Tagblatt. Tagblatt der Stadt St. Gallen und der Kantone St. Gallen, Appenzell und Thurgau, St. Gallen, Zollikofer’sche Buchdruckerei, N°304, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1066
  • Basler Nachrichten, mit Finanz- und Handelsblatt – Intelligenzblatt der Stadt Basel – Sonntagsbeilage, Basel, Buchdruckerei z. Basler Berichthaus A.-G., N° 356, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 766, FRg 380
  • Aargauer Tagblatt, Aarau, N° 351, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 877
  • Schwyzer Zeitung. Konservatives Organ für den Kanton Schwyz, Schwyz, Emil Steiner, Bahnhofstrasse, Schwyz, Nr. 103, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1091
  • Der Bund, Bern, Jent & Reinert, Bern, N° 609, 1905, Morgenblatt, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1037, FRg 416
  • Neue Glarner Zeitung. Freisinniges Organ des Kantons Glarus und der Nachbarbezirke, G. A. Frey, Glarus, D. Hefti & D. Bartel, Nr. 301, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 712
  • Neue Bündner Zeitung, Chur, Nr. 307, 1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, BZ 49
  • Neue Bündner Zeitung, Chur, Nr. 304, 1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, BZ 49
  • Neue Bündner Zeitung, Chur, Nr. 305, 1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, BZ 49
  • Neue Bündner Zeitung, Chur, Nr. 306, 1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, BZ 49
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr. 2, 1906, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr. 7, 1906, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr.306, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr. 306, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr. 305, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Nr. 304, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Oltner Tagblatt, Olten, Buchdruckerei Dietschi, N° 303, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 865
  • Le Démocrate, Journal politique Suisse, Delémont (Delsberg), Imprimerie Boechat & Cie, N° 8787, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 816
  • Davoser Zeitung, Davos, Buchdruckerei Davos A.-G., Nr. 153, 105, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 837, FRg 379
  • Davoser Zeitung, Davos, Buchdruckerei Davos A.-G., Nr. 152, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 837, FRg 379
  • Bündner Post, Thusis, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 455
  • Corriere del Ticino, Lugano, N° 294, 1905, Archivio di Stato, BELLINZONA, 0/068/07E2
  • Engadiner Post und Anzeige-Blatt für das Ober- und Unter-Engadin, St. Moritz, Manatschal, Ebner & Cie., Nr. 52, 28.12.1905, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, Bz 100
  • La Rezia. Giornale democratico del Cantone Grigione, Grono (Mesolcina), N°52, 1905, Archivio di Stato, BELLINZONA, 0/068/01E1
  • Popolo e Libertà, Locarno, Lugano, Bellinzona, N°302, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 780
  • Popolo e Libertà, Locarno, Lugano, Bellinzona, N°300, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 780
  • Luzerner Tagblatt. Freisinnig-demokratisches Organ. Hauptanzeigeblatt für Stadt und Kanton Luzern und die übrige Zentralschweiz, Luzern, Nr. 299, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1035
  • Luzerner Tagblatt. Freisinnig-demokratisches Organ. Hauptanzeigeblatt für Stadt und Kanton Luzern und die übrige Zentralschweiz, Luzern, Nr. 301, 1905, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1035

Quellen

Medienberichte zur Erdbebenserie

Neue Bündner Zeitung, Nr. 304, 28. Dezember 1905

Erdbebenberichte. Chur. Die Stadt Chur hat gestern nur vom Erdbeben der vergangenen Nacht und von dem des vorhergehenden Abends gesprochen. […] Die Stösse waren so heftig, dass um 6 Uhr Frauen und Männer auf die Strasse stürzten und in der Nacht viele sich anzogen. […] Zum Glück waren die Männer in der Nacht alle brav zu Hause, so dass sie Gelegenheit hatten, sich als das stärkere Geschlecht zu bewähren. Böse Zungen behaupten, manche hätten sich auch nur als das faulere erwiesen. […]

Ragaz. (Korr. vom 26. ds.) Hiemit die Notiz, dass gestern den 25. abends 610 in Ragaz ein heftiger Erdstoss verspürt wurde, dem dann um 115 nachts noch kräftigere Erschütterungen folgten. Richtung von Osten nach Westen. Es war als ob die Häuser auf Wellen gerüttelt würden. Beim zweiten Stoss wollen viele aus dem Schlafe Geweckte noch bereits eine halbe Stunde lang das Gefühl gehabt haben, als ob sie auf schwankendem Gerüste liegen, wobei ein lawinenartiges Getöse gehört wurde. Gleiche Berichte hört man von Pfäfers, Vättis, Vasön und Valens. In den dort meistens aus Holz gebauten Häusern soll es unheimlich gekracht haben, und manche sonst tapfere Hausfrau soll froh gewesen sein, ihr Männchen unter dem gleichen Dach zu wissen.

Seewis i. P. (Korresp.) Am 25. abends zirka 6 Uhr 10 Min. wurde hier ein heftiger Erdstoss verspürt, begleitet mit einem unterirdischen Geräusche. Richtung: Osten-Westen. Nachts 1 Uhr 20 wiederholte sich die Erschütterung. Fenster klirrten – Wände krachten – Betten wackelten. Unser Nachtwächter sagt in Bezug auf das Ereignis aus, dass es ihm vorgekommen sei, als ob ein schwerbeladener Lastwagen unter ihm vorbeiräderte und die Häuser in der Umgebung seines Standortes hätten gezittert. Die Bewegungen des Bodens waren solche nach auf- und abwärts. […]

Davos. Hier verspürte man auch mehrere Erstösse am Weihnachtsabend und in der Nacht, kräftig besonders zwei. Die Kurgäste wurden natürlich auch beunruhigt, manche wollten ausziehen.

Bonaduz. (Korr.) Der erste Stoss erfolgte am Weihnachtsabend punkt 6 Uhr 7 Min. Richtung Nordost nach Südwest. […] Bei den Einwohnern herrschte ziemliche Panik. […]

Splügen. (Korr. vom 25. ds). […] Wir glaubten in unserm Hause, ein Teil des Kalkberges komme herabgestürzt, so unheimlich war der Lärm. […]

Flims. (Korresp.) Auch hier wurde das Erdbeben am Weihnachtsfest und in der Nacht darauf sehr stark verspürt. Einen grossen Holzstall mitten im Dorf sah man wackeln. […]

In Ilanz war am Weihnachtsabend Gottesdienst, als sich das Erdbeben ereignete. Die Leute sollen in grösster Bestürzung aus der Kirche geflohen sein. Auch in Tomils und Untervaz soll dies der Fall gewesen sein. […]

Silvaplana. (V. Korr.) Gestern abend (Festabend 6 Uhr 7 Min.) verspürte man in Silvaplana ein ziemlich starkes Erdbeben. Dielen und Wände krachten, und Papierfiguren auf Kommoden und Gesimsen fielen um. […]

Neue Bündner Zeitung, Nr. 305, 29. Dezember 1905

[…] Von Arosa wird gemeldet, der Stoss um 6 Uhr abends war so stark, dass er stellenweise eine leichte Panik in der Bevölkerung erregte. An den Wänden der Wohnungen hängende Gegenstände wurden verschoben. […]

In Jenaz kamen in der Nacht Tischlampen zum Wanken. […]

Aus Davos wird über das Erdbeben in der Nacht berichtet: Schmucksachen, Milchkrüge usw. wurden von ihren Standorten heruntergeworfen und in der ganzen Ortschaft leuchteten beim Erdstoss um Mitternacht die Lichter in den Schlafzimmern auf. Nervöse Leute sollen sogar das Freie aufgesucht und dort stundenlang in der Mitternacht Promenade gemacht haben. Die öffentlichen Gesellschaftsräume der Hotels füllten sich teilweise wieder und andere klagten, sie hätten nicht mehr schlafen können. Hier soll an einer Zimmerdecke und dort an einem Getäfer ein Riss entstanden sein usw.

Freier Rätier, Nr. 304, 28. Dezember 1905

[…] Schiers: Abends 6 Uhr 04 Min. ein ziemlich kräftiger Erdstoss. Fenster und Türen zitterten, Uhren und Musikinstrumente tönten an, und ein Rollen war hörbar, als führe ein schwerer Frachtwagen über holperiges Strassenpflaster. Richtung: West- Ost. Nachts 1 Uhr 19 Min. wurde man durch zwei weitere, bedeutend kräftigere Stösse jäh aus dem Schlafe aufgeschreckt.

Rabius: In der Nacht vom 26. d[es Monats], zirka 1 Uhr 30, verspürte man ein heftiges Erdbeben. Als brauste draussen ein unbändiger Gewitterwind, kam ein dumpfes Grollen immer näher und im Vorbeigehen erlitten unsere Holzhäuser ein gewaltiges Stossen, sodass z. B. aufgehängte Lampen in der Stube hin und her schwankten. Richtung: Südwest- Nordost.

Castasegna: Am 25. d. um 6 Uhr 05 Minuten abends und dann in der darauf folgenden Nacht um ca. 1 Uhr 15 Min. wurden ziemlich heftige, mit einem dumpfen Rollen verbundene Erdstösse verspürt.

Peist: Montag 6 Uhr 06 zwei schnell aufeinander folgende Erdstösse, deren wellenförmige Bewegung ziemlich genau von Westen nach Osten ging. Dauer zusammen 8 bis 10 Sekunden. Der erste Stoss war ein leichter, der zweite war von starkem Geräusch begleitet, und so stark, dass Gläser klirrten und die Gegenstände schwankten und rollten. Dienstag früh 1 Uhr 20 fuhr eine gewaltige, mit mächtigem Brausen begleitete Erderschütterung in östlicher Richtung unter uns vorbei, die wohl 4–5 Sekunden dauerte und unser Häuschen in allen seinen Fugen erkrachen liess, so dass alles aus dem Schlafe aufwachte. Eine Minute später folgte ein ebenso lange dauerndes, aber viel schwächeres Beben.

In Somvix soll das Erdbeben ziemliche Risse an den Häusern hervorgerufen haben.

Waltensburg: 25. d. abends 6 Uhr 05 Min. ziemlich starkes Erdbeben. Richtung: Nord-Süd. Die Wände krachten, Wanduhren und Lampen zitterten, Türen wurden geöffnet. […]

Flims: 6 Uhr 05 starker Erdstoss. Die Fenster klirrten, an einigen Stellen löste sich der Mauermörtel. Richtung: Süd nach Nord. Stehende Personen hatten das beängstigende Gefühl grosser Unsicherheit. […]

Igis: Montag abend ganz aussergewöhnlich starkes Erdbeben 7 Minuten nach 6 Uhr. Richtung von Süden nach Norden […] mit der Macht eines dahinbrausenden Sturmes und es war besonders im Freien ein ganz intensiver Luftdruck spürbar, der Leute und Gegenstände ins Schwanken brachte. Vorübergehende hörten an den Häusern die Fenster klirren, die Dach-Kanäle schienen herunter fallen zu wollen und sogar Bretterstösse schwankten heftig. In den Häusern wankten alle Möbel und Gegenstände und die obern Stockwerke und Dachböden wurden so heftig erschüttert, dass man in den unteren Stockwerken fast Einsturz befürchtete. Ein eigentümliches Stampfen und Rollen ging über die oberen Räume. […]

Vicosoprano: Montag abend 6,07 Uhr sehr starker Erdbebenstoss. Er erschütterte im Hause Stühle und Tische. Es war, als ob ein grosser Lastwagen ob dem Zimmer hinüberfahren würde und dauerte zirka 3 Sekunden.

Freier Rätier, Nr. 305, 29. Dezember 1905

[…] Klosters. Am 25. d., des abends 6 Uhr 10 Min., ein schwacher und bald nachher ein starker, einige Sekunden anhaltender Erdstoss. Das Haus erzitterte, Fensterscheiben klirrten wohl vernehmbar. Richtung: von Westen nach Osten. In der Nacht vom 25./26. d. ereignete sich sodann eine intensive Erderschütterung, die uns aus festem Schlaf aufrüttelte, das Haus zum Krachen brachte; Mauerstücke lösten sich und wurden über den Fussboden weitergeschoben. Andernorts wurde Ähnliches beobachtet, jedoch soll dorten der erste Erdstoss stärker gewesen sein als die folgenden […].

Freier Rätier, Nr. 306, 30. Dezember 1905

Bergün. (Korresp.) Vergangenen Mittwoch, den 26. d[es] M[onats], morgens 6 Uhr 15 Min., da ich an meinem Schreibtisch sass, verspürte ich ein kurzes, aber ziemlich heftiges Erdbeben in der Richtung Südwest- Nordost. Die Erschütterung und das Getöse war ähnlich, als führe eine Lokomotive unter den Gebäuden durch. Die Fensterscheiben klirrten und die überfrorenen sprangen sogar entzwei.

Am Weihnachsfest, abends 6 Uhr 05 Min., verspürte man neuerdings ein Erdbeben und zwar in gleicher Richtung wie am Mittwoch, nur mit dem Unterschied, dass dieses länger andauerte und viel stärker war. Um 1 Uhr 25 Min. war ein kurzes, aber so heftiges Rütteln des ganzen Hauses, dass alles aus tiefstem Schlummer geweckt wurde. Richtung wie abends zuvor: Südwest-Nordost. […]

Valendas: Montag abends 6 Uhr und 08 Minuten ziemlich starkes Erdbeben. Der Stoss, dem ein kleinerer bald folgte, schien die Richtung Versam- Ilanz zu nehmen und war von donnerartigem Getöse begleitet. Die Häuser erzitterten stark. Lose an die Wand gehängte Gegenstände wurden heftig bewegt. Der Hauptstoss dauerte eine halbe Minute. In der Nacht, zirka 1 ½ Uhr, erfolgte ein weiterer Stoss, dem ebenfalls schwächere bald folgten. Der Hauptstoss, der die gleiche Richtung zu nehmen schien, war heftig genug, um die Leute aus dem festen Schlaf zu wecken.

Maienfeld. Am 25. d[es Monats] abends 6 Uhr 07 Min. erfolgten nacheinander 2 starke Stösse, denen um 6 Uhr 10 Min. ein dritter folgte. Ein unterirdisches, unheimliches Rauschen, wie wenn ein schwerer Lastwagen über die Strasse fährt, ging diesen Stössen voraus. Nachts um 1 Uhr 15 Min. wurden die Leute wieder aus dem Schlafe aufgeschreckt. Porträts an den Wänden schwankten; aufgehängte Kuhglocken fingen an zu läuten und ein zwölfjähriger Knabe wurde aus dem Bette geschleudert und ein älterer Mann meinte, es gehe nicht mit rechten Dingen zu, denn das Ruhebett wanderte mit ihm zirka 30 Centimeter vom Ofen weg in die Diele hinaus. Die ältesten Leute erinnern sich keines so heftigen Erdbebens.

Freier Rätier, Nr. 2, 4. Januar 1906

Über die Erdbeben der Weihnachtstage schreibt die Direktion der Meteorologischen Zentralanstalt: Aus den vielen, ausserordentlich prompt und rasch eingegangenen Nachrichten ergibt sich mit Sicherheit, dass von dem betreffenden Erdbebenphänomen diesmal hauptsächlich die ganze Ost-, Zentral- und Südschweiz betroffen worden sind. Dagegen scheint der Westen des Landes nichts von der unheimlichen Erscheinung verspürt zu haben. Berichte liegen bis jetzt vor aus den Kantonen Graubünden, St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Zürich, Glarus, Schwyz, Luzern, Zug, Uri und dem Tessin.

Für einzelne Landesteile des Kantons Graubünden waren die jüngsten Erderschütterungen wohl die stärksten seit dem denkwürdigen grossen Beben des Jahres 1857. In Paspels (Doml.) z. B. war der erste Stoss am Weihnachsabend so stark, dass zahlreiche Risse in dem von Betenden dicht gefüllten Kirchengewölbe entstanden und an manchen Stellen das Mauerpflaster sich löste. Die ganze Nacht rumorte es unterirdisch, als würde das Tal von einem orkanartigen Sturme durchtost. Der zweite Stoss erfolgte dann um 1 ½ Uhr früh des 26., welcher auch die massivsten Häuser gewaltig erschütterte, verbunden mit einem donnerähnlichen Getöse von Süd nach Nord. Schränke, Betten und Dielen krachten gewaltig.

Eine Reihe von Zuschriften, namentlich aus Zürich und nächster Umgebung, erwähnen mit Nachdruck nur den ersten, zirka 2 Sekunden andauernden Hauptstoss vom Weihnachtsabend 6 Uhr 7 Min., der namentlich an den Hängen des Zürichberges und in Hirslanden sich durch eigentümliches Schaukeln der Bodenoberfläche bemerkbar machte.

Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

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