Neue Zürcher Zeitung, Nummer 178, 30. Juni 1910 Ausgabe 04
Wallenstadt. (e.-Korr. vom 29. Juni.). Die Befürchtung, es möchte dem bereits gemeldeten im Schlumstobel erfolgten Absturz eines Waldkomplexes von zirka zweihundert ausgewachsenen Tannen eine weitere Nachrutschung von Schutt und Schlamm folgen, ist nun leider in Erfüllung gegangen. Der aus dem Schlumstobel herausbrechende Gurbsbach brachte am Dienstag morgen mit einem male so gewaltige Schuttmassen, dass die umliegenden Wiesen meterhoch bedeckt wurden.
Die aufgebotenen Feuerwehrmannschaften von Berschis und Tscherlach arbeiteten mit äusserster Anstrengung, um weiteres Unheil zu verhüten. Man befürchtet den Nachsturz weiterer Schuttmassen und damit eine grosse Gefährdung der am Fusse des Berges liegenden Güter und Wohnhäuser.
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 209, 31. Juli 1910 Ausgabe 03
Tscherlach bei Wallenstadt. (Korr. vom 29. Juli.) Der zwischen Tscherlach und Berschis von den selbigen Höhen des Sichelkammes niederstürzende Gurbsbach, von dessen verheerenden Schuttaufschüttungen wir Ihnen schon berichteten, will nicht zur Ruhe kommen. Jeweilen an Regentagen, so auch dieser Tage, wälzte der Bach Schlamm und grosse Steine in die unten am Bach liegenden Güter, die heute, zum Teil hoch mit Geschiebe bedeckt, ein trostloses Bild der Verwüstung bieten.
Kaum haben die Hilfsmannschaften dem Bach ein neues Bett gegraben, so beginnt das schaurig-schöne Schauspiel von neuem. Die gewaltigen Schuttmassen füllen das Bachbett hoch auf und wälzen sich verheerend und vernichtend auf die schönen Wiesen und Weinberge. Es ist kein Ende des Zerstörungswerkes abzusehen. In dem hoch gelegenen und schwer zugänglichen Schlumstobel lagern sich noch enorme Schuttmassen, die jeden Augenblick zum Sturz in die Tiefe bereit sind. Jede menschliche Gegenwehr ist unnütz. Stumm ergeben sich die schwer geschädigten Liegenschaftsbesitzer in ihr herbes Los in der Hoffnung, dass ihnen werktätige Bruderliebe zu Hilfe komme.
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 249, 9. September 1910 Ausgabe 04
Wallenstadt. (6. Korr. vom 9. Sept.) Die Schuttniederstürze am Gurbsbach wiederholen sich, so oft Niederschläge erfolgen. Nach den heftigen Regengüssen der letzten Tage kam auch die im Schlumstobel angelagerte Schuttmasse in Bewegung. Gewaltige Fels- und Geröllmassen stürzten unter donnerähnlichem Dröhnen ins Tal, links und rechts ausbrechend und die prächtigen Wiesen und Rebberge mit meterhohem Schutt bedeckend.
Ein Haus musste geräumt werden, eine bittere Sache für einen soliden, arbeitsamen Familienvater mit zwölf Kindern. Sein Heimwesen bildet nun eine traurige Stein- und Schuttwüste, die der Bach bald da bald dort mit neuem Unheil bedroht. Auch die umliegenden Güter haben stark gelitten. Zudem ist das Ende dieser Schuttüberführungen noch gar nicht abzusehen, da in dem hochgelegenen Schlumstobel noch enorme Schuttmassen eingelagert sind.
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann


