Felssturz bei St. Georgen, Gemeinde St. Gallen, wahrscheinlich infolge der vorausgegangenen starken Kälte. Die Sturzmasse betrug ca. 1’000 m3. Drei Gebäude wurden betroffen. Der Totalschaden belief sich auf Fr. 43’063. Davon entfielen auf Gebäude Fr. 36’606, auf Fahrnis Fr. 5’800 und auf Boden Fr. 657.
Quelle
Elementarschäden und Versicherung. Studie des Rückversicherungsverbandes kantonal-schweizerischer Feuerversicherungsanstalten zur Förderung der Elementarschadenversicherungen. I. Band, Bern, 1936
Medienberichte zum Ereignis
Neue Zürcher Nachrichten, Band 25, Nummer 76, 18. März 1929 Ausgabe 02
Felssturz bei St. Gallen. St. Gallen, 17. März. ag. In dem zur Gemeinde St. Gallen gehörenden Dorfe St. Georgen ereignete sich am Samstag ein Felssturz, der vermutlich als Folge der Kälte-Periode eingetreten ist. Ein kleines, zu 4000 Fr. versichertes Häuschen am Fusse der Felswand wurde vollständig zerstört. Die Besitzerin, eine ältere Frau, die unter ihrer Nähmaschine Schutz gesucht hatte, wurde von der Feuerwehr ausgegraben; sie hatte verhältnismässig leichte Verletzungen erlitten. Ein benachbartes grösseres Haus wurde in seinem untern Teil durch die Felsmassen ebenfalls erheblich beschädigt und auf Veranlassung der Behörden sofort geräumt.
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 512, 18. März 1929
Erdabsturz. St. Gallen, 17. März. (O-Tel.) An der alten Strasse von St. Gallen-St. Georgen durch das sog. „Philosophental“ über Wenigerweiher nach Vögelinsegg, eingeengt zwischen die Steinach und einen 25 bis 30 Meter hohen Molassehügel, der senkrecht gegen Süden und die Steinach zu abbricht, liegen beieinander drei Häuser: das alte Riegelwerk-Schulhaus Steingrüble – St. Georgen, das Dreifamilienwohnhaus des Schuhmachers Krapf, und dazwischen, etwa 15 m von der Strasse zurückliegend, das zweistöckige Häuschen der Witwe Meienberger.
Am Samstagmittag, ungefähr halb 12 Uhr, löste sich von der steilaufsteigenden Molassewand ohne vorherige Anzeichen – es soll zwar bereits vor etwas mehr als dreissig Jahren hier ein Felsbruch erfolgt sein – eine vorspringende Nase, die das Haus der Witwe Meienberger talwärts schob und völlig eindrückte.
Auch das benachbarte Haus Krapf wurde mitgenommen; die Felsmassen drückten die hintere Hausfront und das Kellerfundament ein, sodass das Haus unverzüglich geräumt werden musste. In diesem Hause wurde die in den 50er Jahren stehende Witwe Meienberger, die mit Reinigungsarbeiten beschäftigt war, eingeklemmt und vom einstürzenden Gebälk zugedeckt. Der sofort herbeigerufenen Feuerwehr gelang es nach einstündiger Arbeit, die Frau aus ihrer Einklemmung zu befreien. Die erlittenen Verletzungen an Kopf und Gliedmassen sollen nicht lebensgefährlich sein, wie im Kantonsspital konstatiert wurde.
Die abgestürzte Schuttmasse wird auf 300 bis 400 Kubikmeter geschätzt. Offenbar haben das Aufgefrieren und vielleicht auch das kürzlich erfolgte Erdbeben den Absturz begünstigt.
Bote vom Untersee und Rhein, 19. März 1929

Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

