Der Untere Prätschsee liegt auf 1’910 m. Sein Abfluss erfolgt über den Seebach zur Litzirüti, wo er Arosabahn und Schanfiggerstrasse unterquert und beim Maschinenhaus von Arosa Energie in die Plessur mündet. 1930 erhielt das Sporthotel Hof Maran die Erlaubnis, den See als Badeanstalt zu nutzen. Um genügend Badetiefe zu erhalten, wurde beim Abfluss ein rund zwei Meter hoher Erddamm errichtet.
Nach einem schneereichen Winter führte eine aussergewöhnlich starke Schneeschmelze am Nachmittag des 4. Juni 1935 dazu, dass der zuvor praktisch leere Ober Prätschsee so rasch gefüllt wurde, dass er überlief. Das Wasser floss in den Unter Prätschsee. Dieser trug noch eine Eisdecke, welche aufgrund des grossen Zustroms unvermittelt einbrach. Das Seewasser schwappte über den schmalen Damm, der den Wassermassen nachgab. Das ausbrechende Seewasser ergoss sich mit grosser Wucht Richtung Litzirüti. Felsblöcke im Ausmass von kleinen Häusern wurden aus dem Tobel hinausgeschwemmt und grosse Fichten fuhren stehend zu Tal. An Häusern, Ställen sowie an der Kantonsstrasse und der Bahnlinie kam es zu erheblichen Schäden.
In der Folge lief eine internationale Hilfsaktion an, die vom 1. Juli bis zum 15. Oktober 1935 dauerte. Insgesamt halfen 172 Freiwillige aus 14 Nationen der Langwieser Bevölkerung und der Feuerwehr Arosa bei den Aufräumarbeiten. Seit 1768 hatte es an dieser Stelle kein vergleichbares Ereignis mehr gegeben. Die Gemeinde Langwies errichtete hierauf in der Litzirüti umfangreiche Wasserschutzbauten.
Quelle
Wikipedia: Prätschseen. Stand der Informationen: 6. Januar 2013.
Das Ereignis in der Naturchronik der Naturforschenden Gesellschaft Graubündens
In der Naturchronik der Naturforschenden Gesellschaft Graubündens kann man zu diesem Ereignis lesen: “Am 4. Juni bricht am Ausfluss des Prätschsees bei Arosa der etwas mangelhaft erstellte Damm. Die Wassermassen stürzen durch den Seetobel gegen Litzirüti, reissen mächtige Felsblöcke und viel Schutt mit, zerstören 2 Ställe und 1 Wohnhaus, unterwühlen und zerstören das Geleise der Chur-Arosa-Bahn auf 200m und bedecken die schönen Wiesen mit Schutt und Schlamm. Weitere Ausbrüche erfolgen am 6., 7. und 12. des Monats.”

Quelle
Naturchronik für das Jahr 1935. Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden. Band 74 (1935-1936)
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann


