Wie gross war der Felssturz? Welchen Weg nahmen die Felssturzmassen?
Schätzungsweise 300 000 m3 Fels lösten sich aus einer Felswand oberhalb des Steinbruchs und stürzten in den Steinbruch sowie in den Walensee.
Welche Folgen hatte der Felssturz?
Die abstürzende Felsmasse riss einen Streifen Wald mit sich. Der Steinbruch wurde vollständig mit Trümmern eingedeckt; es entstand eine mächtige, die Unglücksstelle einhüllende Staubwolke.
Durch den Aufprall der Sturzmasse entstand im Walensee eine Schwallwelle (Tsunami). Diese breitete sich mit grosser Geschwindigkeit aus. Am Glarner Gegenufer erreichte die Welle eine Auflaufhöhe von 5 bis 6 Metern und richtete grossse Schäden an. Auf der Strecke Mühlital – Mühlehorn – Tiefenwinkel wurden sämtliche Schiffe von ihren Tauen gerissen, 15 davon zerstört. Ufermauern und Landungsstege wurden beschädigt. Eine badende Frau aus Mühlital wurde durch die Wucht der Welle getötet.
Gemäss den Aufzeichnungen des Limnigraphen in Murg dauerten die Schaukelbewegungen des Seespiegels 4 bis 5 Stunden.
Gab es Vorzeichen?
Ja. Vor dem Ereignis bildete sich in der Felswand ein grosser Riss. Am frühen Vormittag kam es zu zunehmendem Steingeriesel.
Quellen
- Andreas Huber: Schwallwellen in Seen als Folge von Felsstürzen. Diss.Nr.6627, Zürich, 1980. download
- Steinbruch Betlis / Quinten / Schnür und Hartschotterwerk Mühlehorn
Medienberichte zum Ereignis
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1570, 4. September 1946 Ausgabe 03
Zum Felssturz am Walensee. ag Mũhlehorn, 4. Sept. Zum Felssturz am Walensee ist noch zu melden: Am Dienstagvormittag bemerkten die Arbeiter eines Schotterwerkes, dass sich infolge des Wasserdrucks in der Felswand des Steinbruchs ein grosser Riss bildete.
Die Arbeiter begaben sich in Sicherheit, und einige Minuten nachher stürzte die ganze Felswand, ein Stück Wald mit sich reissend, auf den Arbeitsplatz, der vollständig vom Gestein aufgefüllt wurde, und darüber hinaus in den See. Die Steinbrechanlage blieb intakt, und die 28 Arbeiter blieben unversehrt.
Wie gemeldet, kam in Mühletal am Südufer des Sees eine Frau durch den mächtigen Wellenschlag ums Leben. Es ist dies die 49 jährige Frau Elise Marie Suter zur Schifflände.
der Bericht in e-newspaperarchives
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1575, 5. September 1946 Ausgabe 02
Der Felssturz am Walensee. ag Mühlehorn, 4. Sept. Die Felssturzstelle am Walensee ist nur mit dem Schiff zugänglich. Der Fels brach in einer Breite und Höhe von etwa 100 Metern nieder. Der durch die Erdgestaltung und die Regenfälle verursachte Felssturz konnte auf Grund der sonst üblichen geologischen Vorgänge in der Gegend nicht vorausgesehen werden.
Die Felsmassen deckten einen grossen Steinbruch zu, den die Arbeiter glücklicherweise im letzten Moment verlassen konnten. Die nahen Einrichtungen wurden nicht beschädigt.
Die durch den Sturz hervorgerufene Grundwelle im See wurde von einer riesigen Staubwolke begleitet. Sie riss Landungsstege und Baracken weg und beschädigte die Ufermauern auf der Glarnerseite in der Nähe von Mühlehorn.
Zwei Züge, die Mühlehorn passierten, erlitten einige Verspätung. Die Leiche der Frau Suter vom Restaurant „Schifflände“ in Mühlethal, die auf der Rüeckkehr vom Baden von den Wellen fortgerissen wurde, ist noch nicht gefunden worden.
der Bericht in e-newspaperarchives
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1577, 5. September 1946 Ausgabe 03
Der Felssturz am Walensee. Mühlehorn, 5. Sept. Die Bevölkerung der Ufergemeinden am untern Walensee, vorab von Mühlehorn, direkt gegenüber der Unglücksstätte, ist immer noch tief beeindruckt vom Bergsturz, der sich am Dienstag an den Nordhängen des Sees ereignet hat.
Das Hartschotterwerk Mühlehorn, das von der Firma Gattiker-Tanners Erben in Rapperswil betrieben wird, beschäftigt 28 Arbeiter, die in Mühlehorn, Obstalden, Unterterzen usw. wohnhaft sind und jeden Morgen mit einem Ledischiff zur Arbeitsstätte geführt werden.
Der Absturz ist von zahlreichen Augenzeugen beobachtet worden. Als eine undurchdringliche schwarze Staubwolke das Werk auf lange Zeit verhüllte, musste man eine grosse Katastrophe und Menschenverluste befürchten, da es kaum denkbar schien, dass sich die Arbeiter rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten.
Aus den Schilderungen der Arbeiter ist zu entnehmen, dass bereits während des ganzen Vormittags ein verstärktes Steingeriesel einsetzte und in der Berghalde sich ein unterirdisches Krachen hörbar machte.
Auf dringende Meldungen von Arbeitern hin gab der Bauführer Alarm zur sofortigen Räumung der Arbeitsstãtte. Nicht eine Sekunde zu früh fand der letzte Mann in überstürzter Flucht seitwärts in einer Felseinbuchtung Unterkunft, als die ungeheuren Gesteinsmassen mit grossen Waldpartien unter fürchterlichem Lärm niederfuhren, die Arbeitsstätte überdeckten und zum grössten Teil in den dort tiefen See stürzten.
Haushohe Sturzwellen durchnässten die Arbeiter. Diese Wellen setzten sich bis zur Mitte an der Oberfläche, dann unter Wasser fort. Am Mühlehorner Ufer sank der Wasserspiegel plötzlich um etliche Meter und brandete nachher in 5 bis 6 Meter hohen Flutwellen auf, wodurch grosser Schaden an den Ufermauern, auf Lagerplätzen usw. entstand.
15 Schiffe und fünf Schiffsmotoren sind verloren. Die bis zur Stunde noch nicht gefundene Frau Maria Suter war gerade im Begriff, mit ihrem Ruderboot in Mühletal zum Baden auszufahren; sie wurde mit ihrem Schiff von den Wellen verschlungen.
Einige Wochen früher wären am Badestrand viele Badende gefährdet gewesen. Der Bergsturz muss sich seit längerer Zeit durch nicht sichtbare Risse vorbereitet haben. Sprengschüsse sind am fraglichen Morgen nicht gelöst worden. Vor allem ist schlechtes Felsmaterial abgestũrzt. Das Werk kann nach umfangreichen Aufräumungsarbeiten weiter betrieben werden, da die Silos und Gebäulichkeiten nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sind.
der Bericht in e-newspaperarchives
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1664, 18. September 1946 Ausgabe 03
Zum Felssturz am Walensee. B. Als Mitverursacher des Felssturzes bei Quinten am Walensee vom 3. September muss der Regensommer des laufenden Jahres angesprochen werden, indem einerseits stützendes und bindendes Material auf der Rutschfläche weggespült wurde, anderseits das Gewicht der Rutschmasse und besonders das Gleitvermögen zunahmen.
Laut der Bergsturzstatistik sind grössere Bergstürze namentlich im Anschluss an regenreiche Sommer zu Tal gefahren, wie bei Goldau, Elm, Mühlehorn usw.
Ganz merkwürdig, ja verblüffend, ist nun die chronologische Relation zu den stärksten Erdbeben dieses Jahres, nämlich: Am 4. Februar und 3. März 1946 Erdbeben im Wallis, am 2. April Seebeben bei Hawai, am 1./2. Mai Erdbeben im Wallis und in Ankara, ebenso am 30. Mai/I. Juni (Springflut), Juli unbekannt, am 4. August Seebeben auf Haiti und am 3. September Felssturz bei Quinten.
Die Intervalle betragen per Februar/März 27 Tage, sonst 29 bis 30 Tage. Liegt in der Dauer von Intervall und Zeitpunkt der Katastrophe nicht die Bindung mit der monatlichen Mondbahn und dem Nachhinken des Mondes hinter der Erde um etwa einen Tag per Monat vor? Es wäre dann auch der Felssturz von Quinten in das obige Schema einzuordnen und die Sturzauslösung kosmisch-geomechanisch bedingt.
der Bericht in e-newspaperarchives
Neue Zürcher Nachrichten, Band 42, Nummer 207, 6. September 1946
Der Felssturz am Walensee. Unser Bild zeigt die bei Quinten am Nordufer des Walensees gelegene Absturzstelle der auf etwa 300’000 Kubikmeter geschätzten Felsmasse. Der Steinbruch ist vollkommen verschüttet worden und die Gesteinsmassen stürzten über das Steilufer direkt in den See, eine Grundwelle von über fünf Meter Höhe verursachend, die am gegenüberliegenden Ufer von Mühlehorn grosse Schäden verursachte und auch ein Todesopfer forderte. Glücklicherweise hatten sich die im Steinbruch beschäftigten und dem sicheren Tode ausgesetzten Arbeiter im letzten Augenblick — es handelte sich um Sekunden — in die auf dem Bilde ersichtlichen, vom Felsabsturz verschonten Steinbrechanlagen des Hartschotterwerkes Gattiker-Tanners Erben, Rapperswil retten können. Diese Gebäulichkeiten geben auch einen Vergleichsmassstab für den Umfang der Naturkatastrophe.
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Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

