Unwetter 1954 · Unter anderem in den Kantonen Graubünden und St. Gallen · GL/GR/SG

Unwetter in den Kantonen Graubünden und St. Gallen, 1954

Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz Gerhard Röthlisberger schreibt in seiner „Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz“: 1954, 21. bis 22. August: Beträchtliche Unwetterschäden am Alpennordrand und im Engadin infolge schwerer Regen

Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz

Gerhard Röthlisberger schreibt in seiner „Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz“:

1954, 21. bis 22. August: Beträchtliche Unwetterschäden am Alpennordrand und im Engadin infolge schwerer Regenfälle. Die Reuss brach im Urnerland und im aargauischen Unterlauf aus, ebenso der Rhein im St. Galler Rheintal. Für das schadenreichste lnnhochwasser der letzten 50 Jahre wurden im Kanton Graubünden allein an Verbauaufwendungen mehr als 14 Millionen Franken notwendig.

Quelle

Röthlisberger, Gerhard: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz. Berichte der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Nr. 330, 1991. download

Bildmaterial

Staatsarchiv Graubünden: Fotos Hochwasser 1954. Inventar. FR-A VIII 11 e 2. download

Hochwasser 1954.
Hochwasser 1954. Auf der Tiefrietstrasse in Sargans bei der Seifenfabrik (Oertli) watet eine Frau durchs Hochwasser. Entstehungszeitraum: 1954.08 (ca.). Staatsarchiv St.Gallen, A 481/05.02-32

Das Rheinhochwasser im Jahr 1954

„Als Konsequenz aus der Rheinkatastrophe von 1927 wurden die Rheindämme in den Jahren 1928/29 und 1946 bis 1950 auf der kritischen Strecke Trübbach-Haag verstärkt und erhöht. Noch unbefriedigend waren die Einleitungen der Saar und des Trübbachs südlich der Bahnstation Trübbach, wo immer noch eine von der Eisenbahnbrücke überspannte Dammlücke von rund 35 Metern bestand. Im Zuge der Saarkorrektion mit dem von 1957 bis 1960 erfolgten Bau des Saarkanals wurde dieser unter dem Trübbach hindurch geführt und mit einer eigenen Einmündung unterhalb des Dorfes Trübbach dem Rhein zugeleitet.

Unbefriedigend waren auch die Verhältnisse bei der Einmündung des Werdenberger Binnenkanals bei Rüthi. Jahrelang versuchte man sich dort auf ein Korrektionsprojekt zu einigen, um die Überschwemmungsgefahr durch den Rückstau des Rheins zu beseitigen. Eine Parallele zur Rheinkatastrophe von 1927 bestand 1954 darin, dass am Samstagvormittag des 21. August ein sintflutartiger Dauerregen einsetzte, der den ganzen Tag und die Nacht hindurch unvermindert anhielt. Der Wasserstand des Rheins stieg von Stunde zu Stunde. Kurz nach Mitternacht wurden in den wasserwehrpflichtigen Gemeinden des Bezirks die Feuerwehren alarmiert.

Der Pegelstand bei Bad Ragaz stieg von 2 Uhr früh bis um 6.30 Uhr von 6,7 Meter auf den Höchststand von 7,15 Meter. Bis um die Mittagszeit sank er dann glücklicherweise auf 5 Meter. Der damalige Redaktor am «Werdenberger & Obertoggenburger» schrieb im Werdenberger & Obertoggenburger vom 23. August 1954:

«Es sind ungemütliche Stunden, die unsere wackeren Wasserwehrleute in dieser Nacht in zuverlässiger Pflichterfüllung auf dem Rheindamm draussen im strömenden Regen in Ausführung ihrer wichtigen Kontroll- und Sicherheitsmassnahmen erleben. Unheimlich wild, urgewaltig, wälzen sich die Wassermassen in dunkelbrauner Färbung daher. Die Holzbrücken in Trübbach, Sevelen, Salez und Büchel werden für den Verkehr gesperrt. Donnernd, mit elementarer Kraft, bäumen sich die Fluten brechend an den Brückenpfeilern und klatschen hinauf an die Holzverkleidungen. Klafterweise führt der Strom Schwemmholz, worunter ganze Baumstämme und Wurzelstöcke, mit sich.»

Die verstärkten und erhöhten Dämme hielten dem Druck des Wassers stand, auch wenn der Höchstwasserstand in Buchs mit 9,40 Meter den Werten von 1927 nahe kam. In der Gegend der Rheinwachthütte (Rheinkilometer 52 bis 52,5) wurden zahlreiche Durchsickerungen festgestellt, so dass nicht weniger als ein Dutzend Verbauungen ausgeführt werden mussten.

Saarebene überschwemmt. Werfen wir einen Blick auf die damalige Situation in Trübbach, wie sie im «Werdenberger & Obertoggenburger» geschildert wurde: «Im gleichen Masse, wie sich die verstärkten und erhöhten Rheindämme als Hochwassersicherung voll und ganz bewähren, erweist sich andererseits das immer noch ungelöste und viel umstrittene Saarproblem als der neuralgische, schwache Punkt im Verteidigungsdispositiv gegen die Hochwassergefahr.

Hilflos, ohnmächtig stehen wir vor der unheilvollen Tatsache, dass durch den gewaltigen Rückstau bei der Einmündung der Saar in den Rhein bei Trübbach die gesamte Saarebene im ungefähr gleichen Ausmass wie Anno 1927 überschwemmt worden ist, nämlich das gesamte Gebiet zwischen Rhein und Schollberg-Gonzen bis auf die Linie südlich Bahnhof Sargans (zirka 3 km2). […] Das ganze Mündungsgebiet ist angefüllt von einer gewaltigen, zähe ineinander verhafteten Menge Schwemmholz. Das Wasser reicht bis an den Boden der Eisenbahnbrücke über den Trübbach; am frühen Morgen hatten nur noch wenige Zentimeter gefehlt und die Geleise wären überschwemmt worden. […] So bleibt es bei einem etwa einstündigen Unterbruch zwischen 7 und 8 Uhr, als das Wasser die Geleise gegen Sargans zu zeitweilig überflutete. Den ganzen Sonntag über stillgelegt bleibt jedoch der Autoverkehr zwischen Sargans und Trübbach. Durch den Weiler Vild vor Sargans stehen auf einer Länge von zirka 200 m die Staatsstrasse, die sich dort etwas senkt, und die daran liegenden Häuser 1-1,5 m unter Wasser.»

Überschwemmung der Sennwalder Auen. Grosse Schäden richtete der Rückstau des Werdenberger Binnenkanals an den Kulturen in den Sennwalder Auen an. Der «Werdenberger & Obertoggenburger» berichtet darüber: «Von der Staatsstrasse in Sennwald ist das überschwemmte Gebiet (zirka 1 km:) gut zu überblicken. Es reicht vom Oberbüchel dem Werdenberger- und Rheintaler-Binnenkanal entlang bis nahe zur Tuchfabrik Aebi und natürlich bis an den Rheindamm hinaus.

Vor allem sind es die Au, dann die fruchtbaren, bebauten Ackergebiete Neufeld und Noller jenseits und Rüteli und Mädli diesseits der Bahnlinie, die ebenfalls zum Teil überschwemmt ist. Der erste Frühzug hatte noch passieren können, dann wurde der quer über die Bahnlinie führende Rillisdamm gesperrt und vermacht (eine Schutzmassnahme gegenüber den darunter liegenden Gebieten). Bis nachmittags 14 Uhr bleibt der Bahnverkehr zwischen Salez und Rüthi unterbrochen, bzw. wird er durch Autobusse aufrecht erhalten.»

Neben den örtlichen und Bezirksbehörden orientierten sich verschiedene Regierungsräte, der Kantonsingenieur und ein Vertreter des eidgenössischen Oberbauinspektorates an Ort und Stelle über das Ausmass der Überschwemmungen im Saargebiet und im Werdenberg. Am Sonntag konnte trotz nochmaligem leichten Ansteigen des Wasserstandes der Grossteil der Wasserwehrmannschaften entlassen werden, und am Montagmorgen wurden bei einem Wasserstand von 6,40 Meter auch die letzten Ablösungen entlassen.“

Quelle

Ernst Hofmänner: Die grossen Rheinhochwasser im 20. Jahrhundert: ein Schwarzer Sonntag: die Rheinkatastrophe vom 25. September 1927. Werdenberger Jahrbuch : Beiträge zu Geschichte und Kultur der Gemeinden Wartau, Sevelen, Buchs, Grabs, Gams und Sennwald. Band 3, 1990. download

Abbildung zu «Unwetter in den Kantonen Graubünden und St. Gallen, 1954»

Blick auf die überschwemmte Saarebene und die überflutete Staatsstrasse talabwärts. (22. August 1954). Quelle: Braschler, Hans: Die Melioration der Saarebene.

Abbildung zu «Unwetter in den Kantonen Graubünden und St. Gallen, 1954»

Überschwemmte Saarebene im Gebiet der Hauptstrasse Trübbach—Sargans. Im Hintergrund das Schloss Sargans. Quelle: Braschler, Hans: Die Melioration der Saarebene.

Abbildung zu «Unwetter in den Kantonen Graubünden und St. Gallen, 1954»

Der vollständig unter Wasser gesetzte Zaun im Vordergrund zeigt, welche Höhe der Wasserstand erreichte. Der Verkehr in der Nähe der Hauptstrasse bei Vild war nur noch mit Schiffen möglich (22. August 1954). Quelle: Braschler, Hans: Die Melioration der Saarebene.

  • Braschler, Hans: Die Melioration der Saarebene. Wasser- und Energiewirtschaft = Cours d’eau et énergie, Band: 65 (1973), Heft: 8-9. download

Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

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