Der Bund, Band 113, Nummer 320, 30. Juli 1962 Ausgabe 02
Wie bereits kurz gemeldet, sind am Wochenende das Glarner- und Bündnerland von schweren Gewittern heimgesucht worden. Am Freitagabend, zwischen 21.50 und 22 Uhr, brach das Gewitter von Westen her mit einer Gewalt aus, wie man es seit Menschengedenken nicht mehr erlebt hat. Erstaunlich und unheimlich war zugleich der Hagel, dessen Schlössen eine Grösse von Baumnüssen und teilweise von kleineren Hühnereiern erreichten. Ueberfallartig entlud sich das Unwetter sozusagen über den ganzen Kanton. Besonders schwer betroffen wurde die Gemeinde Mollis, auch Mitlödi meldete grössere Schäden, und sogar bis ins Sernftal reichten diesmal die Naturgewalten; Elm berichtete ebenfalls von Schäden.
Wie spk. berichtet, hagelt es im Glarnerland äusserst selten, und Hagelkörner sind hier beinahe etwas Sensationelles. Unter den ältesten Glarner Bürgern erinnert sich deshalb auch niemand an ein Unwetter ähnlichen Ausmasses, und es dürften Jahrzehnte vergehen, bis wieder ein solches feststellbar ist. Augenzeugen berichten aus Mollis, dass selbst am Samstagmorgen die Hagelschlossen noch haufenweise auf der Strasse lagen. Während des Unwetters und nachher stockte der motorisierte Verkehr völlig, weil die Autos auf den mit einer mindestens 20 cm dicken Eisdecke belegten Strassen steckenblieben. Die in einzelnen Betrieben um 22 Uhr fällige Ablösung der Schichten erfolgte nicht, weil die Arbeiter die Fabriken nicht mehr erreichen konnten.
Der Schaden an den Kulturen ist gross: Sämtliche Blumen- und Gemüsekulturen lagen zerfetzt am Boden, während das noch unreife Obst von den Bäumen gerissen wurde. Weidendes Vieh erlitt durch die wie aus Maschinengewehren geschossenen Hagelkörner Verletzungen auf dem Rücken.
Da der Hagelschlag vom Sturm begleitet war, die Körner somit schräg einfielen, gingen selbst Fensterscheiben in Brüche. Die Treibhäuser einer Gärtnerei sind alle vernichtet. Es scheint, dass über 1000 Fensterscheiben dem Ansturm der Eiskörner nicht standzuhalten vermochten. Schäden an den Kulturen meldet auch Mitlödi, wo vor allem die Pflanzplätze der Dorfbewohner vernichtet sind (Kartoffelstauden usw.). Ebenso ist die Obsternte vernichtet, und wie in Mollis lagen auch hier am andern Morgen noch haufenweise Hagelkörner am Boden.
Aehnliche Schäden verzeichnet man in Niederurnen. Ueberall dort, wo der Hagel gewütet hatte, bot die Landschaft ein winterliches Bild. Ueber die Schäden auf den Alpen und in den Wäldern ist vorläufig noch nichts bekannt. Strichweise wurden aber auch sie vom Unwetter betroffen. In der Nähe des Hauptortes Glarus schlug der Blitz in ein Haus, richtete aber keinen Schaden an.
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Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

