Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz
Gerhard Röthlisberger schreibt in seiner „Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz“:
Heftige Gewitter mit erheblichen Wasserschäden in den Kantonen St. Gallen (Fürstenland, Walenstadt, Toggenburg), Graubünden (Prättigau), Thurgau, Zürich (Stadt, Region Winterthur, Oberland) und Aargau.
Quelle
Röthlisberger, Gerhard: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz. Berichte der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Nr. 330, 1991.
Literatur
Windel, Albrecht: Das Hochwasser vom November 1972. Wasser- und Energiewirtschaft, Band: 66 (1974), Heft: 4-5. download
Medienberichte
Neue Zürcher Nachrichten, Band 67, Nummer 170, 24. Juli 1972
Walenstadt vom Unwetter verwüstet. In Walenstadt und Umgebung hat sich am Freitagabend ein heftiges Gewitter entladen, das grosse Schäden anrichtete. Die Bergbäche brachten grosse Mengen Geschiebe und Geröll zu Tal und traten über die Ufer. Strassen, Plätze, Gärten und Wiesen in Walenstadt wurden von Steinen und Geröll bedeckt. In den Friedhof ergoss sich ein Sturzbach, und am späten Abend schauten nur noch die Grabkreuze aus dem Wasser.
(sda) Walenstadt und Umgebung boten am Samstag ein Bild der Verwüstung. Der Schattenbach hatte das Zeughaus und Kasernenareal überflutet. Der Nissibach verwandelte den Friedhof und das Quartier nördlich der Kirche in eine Stein- und Schlammwüste, und ganz verheerend hatte auch der Wiedenbach gehaust. In den betroffenen Gebieten lagen Schlamm, Geschiebe, autogrosse Steine, meterlange Baumstämme und Wurzelstöcke wirr durcheinander. Aus den Kellern wurden in der Freitagnacht und am Samstag Wasser geschöpft und gepumpt. Barfuss und im Badekostüm boten Männer und Frauen Kübel und Kessel zu den Fenstern hinaus. Autos steckten tief im Wisser und im Schlamm. In allen im Parterre liegenden Schlafzimmern schwammen Betten, Kleider und Wäsche herum.
Einen schlimmen Anblick bot der Friedhof. Schlamm, Geröll und Aeste deckten die Gräber zu. Ein frisches Grab wurde bis zum Sarg hinunter aufgerissen. Glücklicherweise vermochte nur wenig Wasser in die Kirche einzudringen. Der Gemeinderat hielt zwei Sondersitzungen ab, um die Lage zu besprechen und die Aufräumungsarbeiten zu koordinieren. Rund 220 Mann der Feuerwehren von Walenstadt, Tscherlach und Berschis und die Betriebsfeuerwehren des eidgenössischen Zeughauses und der Weberei wie auch die in Walenstadt stationierte Rekrutenschule waren im Einsatz.
der Bericht in e-newspaperarchives
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 340, 24. Juli 1972
Katastrophale Auswirkungen in Walenstadt. Walenstadt, 22. Juli, (sda) Walenstadt und Umgebung boten am Samstag ein Bild der Verwüstung. Der Schattenbach hatte das Zeughaus und Kasernenareal überflutet. Der Nissibach verwandelte den Friedhof und das Quartier nördlich der Kirche in eine Stein- und Schlammwüste, und ganz verheerend hatte auch der Wiedenbach gehaust. In den betroffenen Gebieten lagen Schlamm, Geschiebe, Steine und Felsbrocken, meterlange Baumstämme und Wurzelstöcke wirr durcheinander. Aus den Kellern wurden in der Freitagnacht und am Samstag Wasser geschöpft und gepumpt. Barfuss und im Badekleid boten Männer und Frauen Kübel und Kessel zu den Fenstern hinaus. Mehrere Autos steckten tief im Wasser und im Schlamm.
Einen schlimmen Anblick bot auch der Friedhof. Schlamm, Geröll und Aeste deckten die Gräber zu. Ein frisches Grab wurde bis zum Sarg hinunter aufgerissen. Glücklicherweise vermochte nur wenig Wasser in die Kirche einzudringen. In allen im Parterre liegenden Schlafzimmern schwammen Betten, Kleider und Wäsche herum. Die Strasse nach dem Sanatorium war verschüttet, konnte aber wieder freigelegt und geöffnet werden. Der Gemeinderat hielt zwei Sondersitzungen ab, um die Lage zu besprechen und die Aufräumungsarbeiten zu koordinieren.
Rund 220 Mann der Feuerwehren von Walenstadt, Tscherlach und Berschis und die Betriebsfeuerwehren des eidgenössischen Zeughauses und der Weberei wie auch die in Walenstadt stationierte Rekrutenschule führende Fahrbahn; mehrere Fahrzeuge mussten von dieser Strecke abgeschleppt werden. Ebenfalls überschwemmt wurden die Autobahn Zürich —Kloten Bülach sowie die Kantonsstrasse Bülach —Kloten, beide mussten zeitweise gesperrt werden. In Wallisellen stand die Unterführung bei der Fleischwaren AG rund einen Meter unter Wasser.
In Hegnau musste die Kantonsstrasse mit einem Trax vom angeschwemmten Schutt geräumt werden, und die Strasse Watt —Katzenrüti war bis am Samstag morgen nicht mehr befahrbar, so dass der Verkehr umgeleitet werden musste. In verschiedenen Gemeinden des unteren Glattals, insbesondere in Bülach und in Kloten, drang Wasser in zahlreiche Keller ein. An der Tobelhofstrasse in Gockhausen schlug ein Blitz in ein altes Bauernhaus ein, doch brach glücklicherweise kein Brand aus. Der Friedhof von Walenstadt stand meterhoch unter Wasser.
der Bericht in e-newspaperarchives
Die Tat, 24. Juli 1972
Schwerstes Unwetter seit Menschengedenken Walenstadt, Toggenburg und Prättigau am schwersten betroffen. Die Ostschweiz wurde in der Nacht vom Freitag auf den Samstag von Gewittern heimgesucht, deren Heftigkeit vielerorts zu Schäden grössten Ausmasses führten. Walenstadt und Umgebung boten am Samstag ein Bild der Verwüstung. Der Schattenbach hatte das Zeughaus- und Kasernenareal überflutet. Der Nissibach verwandelte den Friedhof und das Quartier nördlich der Kirche in eine Stein- und Schlammwüste. Ganz verheerend hatte auch der Wiedenbach gehaust. In den betroffenen Gebieten lagen Schlamm, Geschiebe, autogrosse Steine, meterlange Baumstämme und Wurzelstöcke wirr durcheinander.
Aus den Kellern wurde in der Freitagnacht und am Samstag Wasser geschöpft und gepumpt. Barfuss und im Badekostüm boten Männer und Frauen Kübel und Kessel zu den. Fenstern hinaus. Mehrere Autos steckten tief im Wasser und im Schlamm. Einen schlimmen Anblick bot auch der Friedhof! Schlamm, Geröll und Aeste deckten die Gräber zu. Ein frisches Grab wurde bis zum Sarg hinunter aufgerissen. Glücklicherweise vermochte nur wenig Wasser in die Kirche einzudringen. In allen im Parterre liegenden Schlafzimmern schwammen Betten, Kleider und Wäsche herum. Die Strasse nach dem Sanatorium war verschüttet, konnte aber bis Samstagnacht freigelegt werden.
Man erinnerte sich an die grosse Ueberschwemmungskatastrophe im Jahre 1939, doch sägten die älteren Leute, an ein Unwetter mit solchen verheerenden Folgen könne man sich seit Menschengedenken nicht erinnern. Der Schaden an Gebäulichkeiten, Gärten, Wiesen und Kulturen sowie die Aufräumungskosten werden von Fachleuten auf rund 1 Mill. Franken geschätzt. Eine 79 jährige Frau starb infolge Aufregung an einer Herzlähmung.
Das schwere Unwetter richtete auch in der Gegend von Nesslau. Krummenau bedeutende Schäden an Liegenschaften, Strassen und Kulturen an, wobei die Krümmenschwilerstrasse auf dem Gemeindegebiet von Nesslau besonders schwer betroffen wurde. Die Bodensee—Toggenburg-Bahn musste den Betrieb auf der Strecke Krummenau—-Nesslau von Freitagabend, 18 Uhr, bis Samstagmittag, 12. 45 Uhr, einstellen, da sowohl in Neu St. Johann als auch in Krummenau die Geleise durch Erdrutsche verschüttet und durch Wasser unterspült worden waren. Das heftige Gewitter liess den Arieschbach zwischen Fideris-Au und Küblis über die Ufer treten. Grosse Erd-, Schlamm- und Gesteinsmassen verschütteten die Kantonsstrasse nach Davos und die Rhätische Bahn, deren Geleise stark unterspült wurde. Der durchgehende Strassen- und Bahnverkehr wurde vorübergehend unterbrochen.
Auch die Maschänzerrüfe zwischen Chur und Trimmis hat in der Nacht zum Samstag die Kantonsstrasse mit Schlamm überschüttet. Die heftigen Gewitter hatten bei den SBB verschiedene durch Blitzschläge in die Fahrleitungen, längerdauernde Stromausfälle und Geleiseunterspülungen verursachte Betriebsstörungen zur Folge. Zum Teil ergaben sich massive Zugsverspätungen. Die Schäden an den Anlagen konnten nach Angaben der Kreisdirektion III in der Nacht zum Samstag weitgehend behoben werden. Dagegen blieb die Strecke Gossau—Sulgen während geraumer Zeit für den Zugsverkehr gesperrt. Die weiter westlich Verzeichneten Verzögerungen des Bahnverkehrs — Verspätungen bis gegen zwei Stunden, Umleitungen zahlreicher Züge der Linie Bern—Olten über Lyss und Solothurn — sind im wesentlichen auf einen Fahrleitungsschaden in Burgdorf zurückzuführen. Später wurde auch der Verkehr auf der Strecke Solothurn—Herzogenbuchsee gestört. (sda)
der Bericht in e-newspaperarchives
Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

