Wo (Epizentrum): Region Vaz
Tiefe des Erdbebenherdes (Hypozentrum): 6 km
Magnitude: 4.7
Stärkste Auswirkung (Intensität) des Erdbebens (im Epizentralgebiet): VI
Intensität VI bedeutet: Wird von den meisten Personen innerhalb von Gebäuden wahrgenommen, ausserhalb von den meisten. Viele Personen in Gebäuden erschrecken und flüchten nach draussen. Kleine Gegenstände fallen herunter. Leichte Schäden an normalen Gebäuden, so etwa Risse und Ausbrüche in Verputzen. zur Intensitätsskala
Zu welchen Auswirkungen führte das Beben?
Der zum Teil als sehr stark empfundene Hauptstoss in der Nacht vom 20. November 1991 kündigte sich durch dumpfes Grollen und Donnern an, das auch während des Bebens anhielt, begleitet von einem Knall.
Vor dem Hauptstoss wurden seismische Erschütterungen weder beobachtet noch gemessen. Das Beben wurde vom Seismographennetz des Erdbebendienstes aufgezeichnet. Aufgrund der Aufzeichnung war es möglich, nicht nur die Stärke des Erdbebens (Magnitude) zu bestimmen, sondern auch die geographische Lage des Epizentrums sowie die Tiefe des Erdbebenherdes.
Um ein Bild über die Auswirkungen des Bebens in näheren und entfernter gelegenen Orten der Epizentralregion zu erhalten, wurden Fragebogen an die Bevölkerung verschickt.
Zahlreiche Personen meldeten, dass sie wegen der Erschütterung aufgewacht seien und beobachtet hätten, wie hängende Objekte – Lampen und Bilder – stark bewegt wurden und Türen und Fenster zitterten. Zudem hörten sie in den Schränken das Geschirr klirren und aneinander schlagen.
Leichte Schäden an einzelnen Häusern wurden aus Vaz, Sils im Domleschg, Scharans und Tiefencastel gemeldet; meist handelte es sich dabei um Risse im Verputz. Ausserdem fiel der Strom für etwa eine halbe Stunde aus.

Das Haus Voa Nova 24 und die Katholische Kirche in Vaz/Obervaz (Muldain). Beim Haus Voa Nova 24 (links im Bild) entstanden oberhalb des Balkons Schäden im Bereich der Fenster (roter Kreis). Bei der Kirche kam es vor allem in der von diesem Standort aus sichtbaren Westfassade zu Rissen. Foto: M. Weidmann

Haus Voa Nova 24, Vaz/Obervaz (Muldain). Riss in der Fassade zwischen Fenstersturz und Unterkante Dach als Folge des Erdbebens. Foto: M. Weidmann

Katholische Kirche in Vaz/Obervaz (Muldain). Riss in der Westfassade als Folge des Erdbebens. Foto: M. Weidmann

Haus Voa Nova 28 («Gasthof Junkerhaus»), Vaz/Obervaz (Muldain). Vor allem die Nord- und Westfassade des Hauses ist von zahlreichen Rissen durchzogen. Auf die Wirkung des Erdbebens werden jedoch nur die Risse in der linken Hälfte der Nordfassade zurückgeführt. Das Haus Voa Nova 24 sowie die Katholische Kirche liegen in unmittelbarer Nachbarschaft. Foto: M. Weidmann

Haus Voa Nova 28 («Gasthof Junkerhaus»), Vaz/Obervaz (Muldain). Riss in der linken Hälfte der Nordfassade zum Dachstock hinauf (Pfeil)- Foto: M. Weidmann

Wasseraufstoss in der Umgebung Haus Voa da Solis 10, Vaz/Obervaz (Zorten). Unmittelbar nach dem Erdbeben trat in einer Wiese rund 50 Meter südlich des Hauses Voa da Solis 10 in Zorten Grundwasser aus dem Boden aus. Nach rund drei Jahren wechselte der Ort des Austritts zum abgebildeten Loch in einer Stützmauer unmittelbar neben dem Haus (Foto). Bis 1998 floss hier Grundwasser in einem Umfang von mehreren zehn Litern pro Minute. Foto: M. Weidmann
Dass Erdbeben den unterirdischen Wasserverlauf und entsprechend auch den Austrittsort und die Schüttmenge von Quellen verändern können, wird insbesondere bei stärkeren Erdbeben häufig beobachtet. So notierte man nach dem Erdbeben von 1855 in der Gemeinde Visperterminen VS: «Manche Quellen blieben fortan völlig aus und kehrten auch [mindestens bis zum Ende des folgenden Jahres] nicht wieder. Andere dagegen brachen neu hervor und blieben dauernd ausgiebig.» (Volger, O. G. H.: Untersuchungen über das Phänomen der Erdbeben in der Schweiz, 3. Teil, Die Erdbeben im Wallis, Gotha 1858, S. 97).

Diese Karte zeigt, wo das Beben welche Auswirkungen (Intensität) hatte. Im Epizentralbereich hatte es mit Intensität VI die stärksten Auswirkungen. Hier werden die Intensitätswerte erläutert. Quelle: Schweizerischer Erdbebendienst. zur interaktiven Version dieser Karte

Aufzeichnung des Erdbebens von Vaz, 20. November 1991, durch das Stationsnetz von Yellowknife im Nordwesten von Kanada (6’935 Kilometer von Vaz entfernt). Das Beben ereignete sich in Vaz um 01:54:18 Uhr (Coordinated Universal Time, UTC); in Yellowknife wurde es um 02:04:31 Uhr (UTC) registriert. Die schnellsten Erdbebenwellen brauchten also 10 Minuten und 13 Sekunden, um (durchs Erdinnere) von Vaz nach Kanada zu gelangen.
Gab es Nachbeben?
Nach dem Hauptstoss ereigneten sich in den folgenden Tagen und Wochen zahlreiche Nachbeben, die allerdings von der Bevölkerung kaum wahrgenommen wurden. Einzig am 17. Februar 1992 ereignete sich ein Beben, das vereinzelt verspürt wurde (Intensität IV-V; Magnitude 3.4).
Ein zweites, stärkeres, allerdings kaum wahrgenommenes Nachbeben erfolgte am 28. März 1992 (Magnitude 3.3).
Bis Ende 1992 wurden vom Schweizerischen Erdbebendienst 84 Nachbeben registriert, die alle in einem rund vier Quadratkilometer grossen Gebiet stattfanden. Auf das Hauptbeben folgten mehr als 80 Nachbeben, die bis im Frühjahr 1992 andauerten.
Quellen
- Das Vaz 1991 Erdbeben im Erdbebenkatalog ECOS-09 (Earthquake Catalog of Switzerland 2009)
- Monika Gisler, Markus Weidmann, Donat Fäh: Erdbeben in Graubünden. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Verlag Desertina, 2005
- Schweizerischer Erdbebendienst
Bibliographie gemäss dem Buch „Erdbeben in Graubünden“
- Mayer-Rosa, D.: Das Erdbeben vom 20. November 1991 in Graubünden. In: Schweizerischer Pool für Erdbebenversicherung (Hg.): 13. Geschäftsbericht 1991, o.O. 1991, S. 10-19. download
- Schweizerischer Erdbebendienst: Meldekarten (unpubliziert).
- Marone, F.: Das Magnitude 5 Beben von Vaz (Graubünden) von 1991. Seismotektonik und Auswertungen der Nachbeben, Zürich 1999 (Diplomarbeit, unpubliziert).
Links
- Erdbebenkatalog ECOS-09 (Earthquake Catalog of Switzerland 2009)
- Schweizerischer Erdbebendienst
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann
