Nördlich von Weesen finden sich Ablagerungen eines nacheiszeitlichen Bergsturzes. Diese erstrecken sich mit einer Länge von etwa 2 km von Weesen bis zu den Molasseschichten hinauf. Sie sind charakterisiert durch Feuchtstellen, Wasseraustritte, Versickerungsstellen, unterirdische Wasserläufe und dolinenartige Einsturzlöcher mit Durchmessern bis zu 2 Metern. Die Ablagerungen bestehen aus Molasse- und Moränenmaterial. Besonders auffallend sind viele grossen Blöcke aus grobkörniger Nagelfluh.
Auf dieser Seite
- Welche Vorgänge liefen innerhalb der Bergsturzablagerungen?
- Was geschah 1978?
- Welche Massnahmen wurden ergriffen?
- Was unternahm man bezüglich der Beobachtung der Rutschbewegung?
- Was ergab die Vermessung des Rutschgebietes?
- Gab es Zusammenhänge zwischen der Bewegung und den Niederschlägen?
Welche Vorgänge liefen innerhalb der Bergsturzablagerungen?
Westlich vom Gufler ist ein Teil der Bergsturzablagerungen in rutschender Bewegung (Kriechhang). Schon früher gab es Rutschungen, Ufereinbrüche am Flibach und Bewegungen verschiedener Grössen. Beispiel: die etwa 400 m nördlich des Guflersteins gelegene, von Professor Albert Heim während der Sanierung begleiteten Rutschung des Jahres 1896.
Was geschah 1978?
Die Terrainbewegungen eines Teils des Kriechhanges nahmen plötzlich und ohne unmittelbar erkennbare Ursache stark zu. Das in Bewegung geratene Gebiet hatte eine Fläche von rund 70’000 m2.
- Anfang Juli 1978 wurden erste Anzeichen entdeckt, die auf eine verstärkte Geländebewegung
im zum Teil bewaldeten Gebiet Gufler-Schluchen hinwiesen.
- Im Sommer 1978 kam es beim Guflerstein zu grossen Hangbewegungen.
- Im Oktober 1978 konnten im Gelände bereits Risse von 20 bis 30 cm Breite und Absackungen bis zu 40 cm Höhe festgestellt werden. Zudem zeigten sich grosse Verschiebungen und Schäden an zwei Häusern.

Welche Massnahmen wurden ergriffen?
Die in einer ersten Phase der Rutschbewegung getroffenen Sofortmassnahmen zielten
darauf ab,
- die Gefährdung der Benutzer der Strasse, welche zu den höher gelegenen Höfen führt, auf ein Mindestmass zu reduzieren
- das Wasser vom Rutschgebiet fernzuhalten bzw. Wasseraustritte zu fassen und in die Vorflut (Guf-
ler- und Flibach) abzuleiten.
Konkret traf man folgende Massnahmen:
- Bäume, die umzufallen drohten, wurden gefällt.
- im Untergrund wurden schlecht eingebundene Blöcke, die möglicherweise hätten herunterkollern
können, gesprengt.
- Risse und Anrissstufen im Strassenbelag wurden geschlossen bzw. ausgeglichen.
- Zur Reduktion der Wassermenge im stark durchnässten Hang wurden flexible Rohre in einer Länge von insgesamt 500 Metern verlegt, um das in Schächten gesammelte und aus Quellen austretende Wasser abzuleiten.
- Der durch das Rutschgebiet führende Saalenbach wurde in eine abgedichtete Holzrinne geleitet.
- Wasserausbrüche des Guflerbaches oberhalb des Rutschgebietes wurden durch ein neuerstelltes
Wuhr verhindert.
- Das Gebiet wurde intensiv überwacht. Wöchentlich wurden zwei bis drei Kontrollgänge vorgenommen.
Was unternahm man bezüglich der Beobachtung der Rutschbewegung?
- In der zweiten Hälfte Oktober 1978 versetzte man zur Vermessung des Rutschgebietes rund 60 Beobachtungspunkte.
- Diese Beobachtungspunkte wurden anfänglich alle 14 Tage eingemessen.
Ab Mai 1979 wurden die Messintervalle stufenweise vergrössert. 1980 betrugen sie drei
Monate.
- In den Jahren 1981, 1982 und 1983 wurden keine Vermessungen durchgeführt.
- Am 12. April 1984 wurden nochmals alle noch vorhandenen Beobachtungspunkte
eingemessen.
Was ergab die Vermessung des Rutschgebietes?
- Im Rutschgebiet gab es unterschiedliche Verschiebungsgeschwindigkeiten.
- Der Guflerstein selbst bewegte sich nicht.
- Der unmittelbar an den Guflerstein angrenzende Bereich wies die grösste Verschiebungsgeschwindigkeit auf. Diese betrug im April 1979 2,5 Meter innerhalb von 14 Tagen.
- Der weiter westlich gelegene Bereich verschob sich weniger stark. Hier wurden Bewegungen im Dezimeterbereich festgestellt.
Gab es Zusammenhänge zwischen der Bewegung und den Niederschlägen?
1978 waren die Niederschläge In den Monaten Februar, März und Mai stark überdurchschnittlich. Auch im August fielen überdurchschnittliche Regenmengen.
In den Jahren, während denen grosse oder mindestens merkbare Terrainbewegungen stattfanden, fielen auch bedeutende Niederschlagsmengen. Man kann aber nicht sagen, dass in allen Zeiten mit grossen Niederschlagsmengen jeweils auch Geländebewegungen in Erscheinung traten.
Quelle
Wullimann, Rudolf / Madsen, Fritz: Rutschgebiet Gufler-Schluchten (Weesen, Kanton St. Gallen) : ein Kriechhang befördert sich vorübergehend zum Rutschhang. Eclogae Geologicae Helvetiae, Band (Jahr): 78 (1985), Heft 1. download
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann