Der Geologe Heinrich Jäckli schrieb 1948 zu den Rutschgebieten im Rheinwald:
„Zwischen dem Dorf Hinterrhein und der breiten Passlücke des Valserbergs befindet sich eine grosse, abgerutschte Masse, die rund 6 km2 Fläche bedeckt. Sie trägt in ihrer untersten Partie den Casanawald und hat nach ihm den Namen Casanwald-Rutschung erhalten.
Hier sind Bündnerschiefergesteine, in zahlreiche Gleitbretter aufgelöst, wie ein schräggestelltes Kartenspiel talwärts gerutscht. Das ganze Gebiet zwischen Kirchalp, Välserberggrat und Wandfluh ist zu verschiedenen Zeiten und in getrennten Komplexen abgerutscht.
Der Rhein wurde dadurch auf einer Länge von 2 km gegen seine südliche Böschung gedrückt und zudem zeitweise gestaut. Der Räpierbach, der dieses Rutschgebiet entwässert, muss früher ein Wildbach gewesen sein, denn das Dorf Hinterrhein liegt auf einem grossen, von ihm einst gebildeten Schuttkegel. Aber auch noch jetzt vermag der Bach im aufgelockerten Untergrund mit Leichtigkeit zu erodieren, so dass der Einbau von Quersperren nötig wurde.
Der Casanawald-Rutsch als denkbar ungünstiger Baugrund verunmöglicht aus geologischen Gründen die Anlage einer Staumauer unterhalb des Dorfes Hinterrhein.Östlich des Casanwaldrutsches folgen weitere Rutschgebiete in den Bündnerschieferhängen über Nufenen und Medels gegen das Bärenhorn und den Schollengrat hinauf. Mindestens 8 km2 dieser Hänge bestehen aus mehreren getrennten Rutschkomplexen, teilweise noch kombiniert mit Felssturzmassen.
Weitere Rutschgebiete etwas kleineren Ausmasses, aber ebenfalls in tonigen Bündnerschiefern gelegen, finden sich im Stutzalptal und auf der Südseite des Safierberges, spielen aber in jenen abgelegenen, unbesiedelten und selten begangenen Gebieten keine grosse technische Rolle.
Von Splügen bis über Andeer hinaus sind hauptsächlich Kalk, Dolomit und Gneis am Aufbau des Gebirges beteiligt, Büdnerschiefer treten dagegen zurück, und demzufolge fehlen da auch grosse Rutschungen, trotz der grösseren Steilheit der Hänge.“

Die Rutschgebiete im Rheinwald. Ganz links die Casanwald-Rutschung. Heinrich Jäckli: Die Bodenbewegungen im Hinterrhein-Tal und ihre bautechnischen Auswirkungen.

Der Casanwald-Rutsch von Osten. Zwischen Kirchalphorn (Hintergrund (links) und Wandfluh (Vordergrund rechts) quillt die plumpe, unförmige Rutschmasse, die den Casanwald und die Piänetsch-Alp trägt, gegen den Hinterrhein vor. Heinrich Jäckli: Die Bodenbewegungen im Hinterrhein-Tal und ihre bautechnischen Auswirkungen.
Quelle
Heinrich Jäckli: Die Bodenbewegungen im Hinterrhein-Tal und ihre bautechnischen Auswirkungen. Schweizerische Bauzeitung. 66.Jg., 11. September 1948. download
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann