Die Saar fliesst von Vilters aus in direkter Linie über die Sarganser Au ins Gebiet Schollberg. Das Einzugsgebiet der Saar ist rund 54 km2 gross.
Die Saarebene liegt zwischen Mels, Bad Ragaz und Trübbach. Sie umfasst Talgebiete der Gemeinden Bad Ragaz, Vilters, Sargans und Mels. Die Ebene ist nahezu topfeben. Wegen des geringen Gefälles fliessen Niederschläge nur sehr träge aus der Ebene hinaus in Richtung Rhein.
Auf dieser Seite
- Die Saarebene im 19. Jahrhundert
- 1830: Das Projekt La Nicca
- 1855 – 1858: Die Saar-Korrektion
- 1956 – 1961: Der Saar-Ableitungskanal
- 2022: Verbesserung des Hochwasserschutzes in der Saarebene
- Hochwasser in der Saarebene
- Hochwasser in der Saarebene, 1868
- Hochwasser in der Saarebene, 1817
- Hochwasser in der Saarebene zwischen 1871 und 1922
- Hochwasser in der Saarebene, 1927
- Hochwasser in der Saarebene, 22. August 1954
Die Saarebene im 19. Jahrhundert
Johann Peter Mirer, Pfarrer und Dekan von Sargans, stellte 1830 fest, dass man vor 40, 60 Jahren die Gebiete unterhalb von Wangs-Vilters und längs der Landstrasse zwischen Sargans und Vild trockenen Fusses durchwandern konnte, und dass es dort die fruchtbarsten Äcker und Wiesen gab,. „Jetzt wird nichts als elendsaures Ried und Streue aus dem oft unter Wasser liegenden und versumpften Boden gewonnen.“
Bezirksgerichtspräsident Franz Good stellte 1830 fest, dass die Landstrasse von Sargans nach Bad Ragaz bereits bei wenig anhaltendem Wetter stets unter Wasser steht. „Es stellt sich bei Mensch und Tier ein hartnäckiges und kalt abzehrendes Fieber ein. Das ehemals so gesunde und kräftige Volk leidet grosse Gefahr. Die Menschen altern und sterben vor der Zeit. Die Versumpfung naht sich eben auch den Dörfern.» Und: «Das Feld gegen Mels und Sargans ist versäuert. Es trägt nur noch schlechtes Rossfutter, wo ehemals schöne Wiesen und Fruchtäcker waren.» Der Zustand der Saarebene entsprach in etwa dem Zustand der Linthebene vor der Linth-Korrektion.

Ausschnitt aus der Carte der Thalebene des Rheins bey Sargans an der Wasserscheide zwischen dem Rhein- und Seezthal. Copie nach J. J. Goll, den 10. September 1835 (Staatsarchiv St. Gallen). Die Karte zeigt den Rhein und sowie die Flüsse und Bäche in der Saarebene vor der Korrektur. Die Saar ist gut erkennbar an ihrem schlängelnden Verlauf von Vilters bis Vild. Von Vlid bis zur Einmündung in den Rhein ist bereits ein Kanal erstellt worden. Dieser wurde in Zusammenhang mit dem Neubau der Hochwandstrasse (im Jahre 1822) gebaut. (Idee von Escher von der Linth). Quelle: Braschler, Hans: Die Melioration der Saarebene.
1830: Das Projekt La Nicca

1830 präsentierte La Nicca einen Vorschlag für die Korrektion des Rheins zwischen Sargans und Bad Ragaz sowie für die Neuanlage der Wasserläufe in der Saarebene. La Nicca wollte mit diesem Vorschlag den Wirrwarr der vielen Kanäle ordnen und einen geregelten Wasserablauf sichern. Quelle: Braschler, Hans: Die Melioration der Saarebene.
1855 – 1858: Die Saar-Korrektion
Zwischen 1855 und 1858 wurden ausgeführt:
1. der Schollbergkanal von Trübbach bis zur Schollbergbrücke, linksseitig der Bahn (Länge: 2770 Fuss)
2. der Giessenkanal (heute Saarkanal) von der alten Saar beim Schollberg bis zur Melsermelke (8510 Fuss. Dieser Kanal führte in der Dornau unter der Bahn durch)
3. Der Saarkanal als Fortsetzung des Giessenkanal bis zum Saarfall (8280 Fuss)
4. der Vilterser-Wangserkanal von der Dornau bis zur Vereinigung der Vilterser-Wangserkanäle (12080 Fuss)
5. der Vilterserkanal von der Vereinigung bis Vilterserbach (1400 Fuss)
6. der Wangserkanal von der Vereinigung bis Letzibach
7. der Fehrbächlikanal von Vild bis zum Wangserbrühl
8. der Schwärzegraben vom Saarkanal bis zur Quelle (3300 Fuss)
9. der Landstrassenkanal von der Saarmühle bis zur Baschär
10. der Landstrassekanal von der Saarmühle bis zum Fehrbächli.
1860 bis 1861 nahm man am Kanalsystem Korrekturen und Ergänzungen vor. Diese Karte zeigt, wie das Kanalsystem 1887 angelegt war.
1956 – 1961: Der Saar-Ableitungskanal
Aufgrund des Hochwassers von 1954 entschloss man sich, den Rückstau des Rheins in die Saarebene zukünftig zu verhindern. So erstellte man zwischen 1956 und 1961 einen 2.7 km langen Kanal, der die vereinigten Saarwasser nördlich von Trübbach in den Rhein leitet. Dies bedingte die Unterführung der Saar unter dem Trübbach hindurch. Von nun an konnte ein Rhein-Hochwasser die Saar nicht mehr zum Überfluten bringen.
2022: Verbesserung des Hochwasserschutzes in der Saarebene
Nach dem Bau des Ableitungskanals lebte man in der Saarebene während Jahrzehnten mit einem Hochwasserschutzdefizit. Konkret: Die Abflusskapazitäten der Saar und des Vilterser-Wangser-Kanals sowie diverser Zuflüsse waren bei Hochwasserereignissen zu gering. Bereits bei einem statistisch gesehen alle 30 Jahre wiederkehrenden Hochwasser waren Schäden im Siedlungs- und Industriegebiet sowie in der Landwirtschaft zu erwarten.
Die vier Gemeinden Vilters-Wangs, Sargans, Mels und Wartau erarbeiten zusammen mit dem Kanton St. Gallen Schutzmassnahmen, um die Saarebene besser vor Hochwasserschäden zu schützen. Ziele dieses „Hochwasserschutz-Projekt Saar“:
- Nachhaltiger Schutz vor Hochwasser
- ökologische Aufwertung von verschiedenen Gewässern.
Mehr dazu: Entwicklungskonzept Saarebene
Hochwasser in der Saarebene
> Hochwasser in der Saarebene, 1868
Das Hochwasser richtete am Kanalsystem erheblichen Schaden an.
> Hochwasser in der Saarebene, 1817
Das Rhein-Hochwasser erreichte in der Saarebene bei Sargans einen ausserordentlich hohen Stand. Der Rhein wurde nur noch durch eine 5.40 Meter hohe Einsattelung zwischen Mels und Sargans davon abgehalten, Richtung Walensee und Zürichsee zu fliessen.


> Hochwasser in der Saarebene zwischen 1871 und 1922
Zwischen 1871 und 1922 wurde die Saarebene mehrfach von Hochwasser und Überschwemmungen heimgesucht:
- 19. Juni 1871
- 31. Juli/1. August 1888
- 30. August 1890
- 21. Oktober 1911
- 1916
- 15./16. Juli 1922.
> Hochwasser in der Saarebene, 1927
Während dem Hochwasser von 1927 erreichte der Rhein einen so hohen Stand, dass es der Saar nicht mehr möglich war, in den Rhein abzufliessen. Die Saar wurde zurückgestaut. Dieser Rückstau reichte von Trübbach aus rund 4 km Saar-aufwärts. Die Saarebene wurde grossflächig überschwemmt. Auf dem Bahnhof Sargans stand das Wasser 40 bis 50 cm über Schwellenhöhe.
Mehr Infos zum Hochwasser 1927
> Hochwasser in der Saarebene, 22. August 1954
Die gesamte Saarebene stand unter Wasser. Die SBB-Linie wurde überflutet, und auf der Staatsstrasse im Vild konnte man nur noch mit dem Boot zirkulieren.
Mehr Infos zum Hochwasser 1954

Blick auf die überschwemmte Saarebene und die überflutete Staatsstrasse talabwärts. (22. August 1954). Quelle: Braschler, Hans: Die Melioration der Saarebene.

Überschwemmte Saarebene im Gebiet der Hauptstrasse Trübbach—Sargans. Im Hintergrund das Schloss Sargans. Quelle: Braschler, Hans: Die Melioration der Saarebene.

Der vollständig unter Wasser gesetzte Zaun im Vordergrund zeigt, welche Höhe der Wasserstand erreichte. Der Verkehr in der Nähe der Hauptstrasse bei Vild war nur noch mit Schiffen möglich (22. August 1954). Quelle: Braschler, Hans: Die Melioration der Saarebene.
Quellen
- Braschler, Hans: Die Melioration der Saarebene. Schweizerische Bauzeitung, Band 82, 1964, Heft 46. download
- Reich, E.: Beitrag über die Wasserverhältnisse in der Saarebene bei Sargans. Schweizerische Zeitschrift für Vermessung, Kulturtechnik und Photogrammetrie. Band 54, 1956, Heft 4. download
- Basler & Hofmann: Hochwasserschutz Saarebene: 2 Informationanlass. 15. Juni 2022. download
- Mitteilungen des Rheinverbandes Band 23, 1931, Heft 7. download
- Schwachstellen der Saar sollen aufgezeigt werden. Sarganserländer, Mittwoch, 13. Mai 2020. download
Literatur
- Braschler, Hans: Die Melioration des Sarganserlandes. Bündner Jahrbuch : Zeitschrift für Kunst, Kultur und Geschichte Graubündens. Band 22, 1980. download
- Pestalozzi, Heinrich: Plan der Rhein Ebene zwischen Ragaz und dem Schollberg und
Aufnahme des Reliefs der Sarganser Wasserscheide zum Behuf einer Untersuchung der Verhältnisse des Rheines zur Thalfläche von Sargans und … 1818. Zentralbibliothek Zürich. download
- Böhl, K.: Die st. gallische Rheinkorrektion: ihre Entstehung, Entwicklung und weiteren Ausbau, sowie die damit zusammenhängenden Binnengewässerableitungen. Zeitschrift: Schweizerische Wasserwirtschaft, Band: 3, 1910-1911, Heft 15. download
- HWS Saarebene – Phase 2: Vorstudie (Generelles Entwässerungskonzept). Gewässersystem der Saarebene. Juni 2023. download
- Hochwasserschutz Saarebene – Phase 2: Vorstudie (Generelles Entwicklungskonzept GEK). Information der Gemeinderäte vom 14.06.2023. download
- Entwicklung der Saarebene: Bevölkerung soll mitreden. Sarganserländer, 20. Dezember 2021. download
- Schweizerische Wasser- und Energiewirtschaft: Mitteilungen des Rheinverbandes. Band 23, 1931. Heft 7. download
- Braschler, H.: Bodenverbesserung und Planung in der Saarebene (Kanton St. Gallen). Mensuration, photogrammétrie, génie rural, Band 70-F, 1972, Heft 2. download
- Braschler, Hans: Die Melioration der Saarebene. Wasser- und Energiewirtschaft = Cours d’eau et énergie, Band: 65 (1973), Heft: 8-9. download
- Rohner, Hans: Wasserbauliche Arbeiten zur Verbesserung der Abflussverhältnisse und des Wasserhaushaltes in der Saarebene bei Sargans. Wasser- und Energiewirtschaft = Cours d’eau et énergie, Band: 65 (1973), Heft: 8-9. download
Links
Vilters-Wangs: Entwicklungskonzept Saarebene
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann


