Im Jahr 2023 breiteten sich im Gebiet Wagenrunse zwei grosse Murgänge bis ins Schwandener Siedlungsgebiet aus. Eine wichtige Rolle spielte dabei stark zersetztes und wasserführendes Gestein der Glarner Hauptüberschiebung.
Das Gestein, aus dem die Glarner Hauptüberschiebung besteht – der sogenannte Lochsitenkalk – ist im Untergrund der Schwandener Lokalität Wagenrunse stark zersetzt und führt viel Wasser. Diese Eigenschaften begünstigen Hangbewegungen, besonders bei intensiven und lang anhaltenden Niederschlägen.
Rutschungen im Raum Wagenrunse beschäftigen die Gemeinde Glarus Süd seit der ersten Spontanrutschung im Dezember 2020. Nach diesem Ereignis wurden wichtige Sofortmassnahmen umgesetzt: Die Niderentalstrasse wurde gesperrt und eine Notumfahrung eingerichtet, Hangwasser wurde gefasst und abgeleitet. Zudem wurde eine Sicherheitsholzerei durchgeführt. Seit dem Ereignis werden die Hangbewegungen intensiv überwacht.
Trotz der getroffenen Schutz- und Überwachungsmassnahmen blieb der Untergrund der Wagenrunse instabil. Am 29. August 2023 lösten sich rund 30’000 m³ Material aus dem Hang und breiteten sich murgangartig ins Siedlungsgebiet aus. Im Dezember lösten sich weitere 15’000 m³; diese drangen bis ins Quartier Plattenau vor. Mehrere Gebäude wurden verschüttet, 46 Personen verloren ihr Zuhause, 25 ihren Arbeitsplatz. Dank der frühzeitigen Evakuation und der vorausschauenden Notfallplanung der Gemeinde kam niemand zu Schaden.
Auch nach den beiden Rutschungen blieb die Situation im Raum Wagenrunse kritisch, die Wahrscheinlichkeit von weiteren Murgängen gross. Deshalb wurde zum Schutz der Quartiere Herren und Plattenau ein Murgang-Ablagerungsplatz errichtet, der von einem hohen Schutzdamm umfasst wird.
Literatur
Glarner Sach: Wagenrunse: Geologische und Geotechnische Beurteilung. Synthesebericht. Zürich, 2024. download
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann