Auf dieser Seite
- Wo befindet sich das Rutschgebiet?
- Wie gross ist das Volumen der Rutschung?
- Wie rasch bewegt sich die Rutschmasse?
- Wie wurde eine Verlangsamung der Bewegung erreicht?
- Welche Rolle spielt die Nolla?
- Wo und wie ist die Rutschung im Gelände erkennbar?
- Anhang: Literatur zum Rutschgebiet Heinzenberg
- Massnahmen
- Karten und Pläne
Wo befindet sich das Rutschgebiet?
Das Rutschgebiet umfasst den gesamten, leicht welligen Hang zwischen der Nolla im Süden und Crest dil Cut Trieg im Norden. Sie ist mehr als 40 km2 gross und umfasst zehn Dörfer mit Wiesen, Wäldern und Weiden.

Übersicht über das Rutschgebiet. Quelle: Heinrich Jäckli: Die Bodenbewegungen im Hinterrhein-Tal und ihre bautechnischen Auswirkungen.

In dieser Darstellung des oberen Nollatobels sind einerseits die Sackungsstrukturen (Abrissböschungen; linke Bildhälfte) eingezeichnet. Andererseits sind die durchschnittlichen jährlichen Bewegungsbeträge und Bewegungsrichtungen als Pfeile angegeben (Zeitraum: 1910 bis 1931). Leider sind seit 1931 keine Kontrollmessungen mehr durchgeführt worden, so dass die seitherigen Veränderungen unbekannt sind. Quelle Heinrich Jäckli: Die Bodenbewegungen im Hinterrhein-Tal und ihre bautechnischen Auswirkungen. Schweizerische Bauzeitung. 66.Jg., 11. September 1948
Sackungsstrukturen (Abrissböschungen) in der swisstopo-Karte wissALTI3D monodirektionales Relief

Sehr stark verwitterter Bündnerschiefer im Raum Glaser Grat. Bild: Markus Weidmann.
Wie gross ist das Volumen der Rutschung?

Diese Grafik zeigt die Länge, die Höhe sowie das geschätzte Volumen (x 106 m³) von verschiedenen tiefgreifenden Hangdeformationen. Das Volumen wird durch die Fläche der Kreise repräsentiert und ist den Objektnamen in Klammern nachgestellt. Gemäss dieser Darstellung hat der Untergrund, der sich am Heinzenberg talwärts bewegt, ein Volumen rund 400 Millionen Kubikmetern. Quelle: S. Weidner & M. Moser: Der Bewegungsverlauf tiefgreifender Hangdeformationen.
Wie rasch bewegt sich die Rutschmasse?
Zwischen 1910 und 1931 kroch der südliche Teil des Heinzenbergs um durchschnittlich 15cm pro Jahr talabwärts, zwischen 1929 und 1973 um durchschnittlich 5 cm pro Jahr. Das Gebiet Präz / Sarn bewegte sich zwischen 1910 und 1973 mit durchschnittlich 1 cm pro Jahr talwärts.
Wie wurde eine Verlangsamung der Bewegung erreicht?
Man vermutet, dass folgende Massnahmen zu einer Verlangsamung der Bewegung führten:
- die Erstellung eines Hangkanals
- die Trockenlegung des Lüschersees
- die Verbauung der Nolla
- Aufforstungen östlich der Bruchalp.
Welche Rolle spielt die Nolla?
Der Geologe Heinrich Jäckli schrieb 1948 zur Nolla:
„Verschiedene geologische Anzeichen sprechen dafür, dass die Nolla erst seit wenigen hundert Jahren ein Wildbach ist, und ich vermute, dass der Beginn ihrer stark erosiven Tätigkeit mit der Besiedlung des oberen Heinzenberges durch Walser und die damit bedingte intensivere Rodung der Wälder zusammenhängt. Aber der Felsuntergrund des Bachbettes und die linken Hänge waren schon lange vorher durch alte Rutschungen aufgelockert und tiefgründig verwittert. (…)
Die Nolla hatte leichtes Spiel, sich in die faulen, verwitterten, durch alte und neue Rutschungen aufgelockerten Schiefer einzuschneiden. Wohl ist durch die seit 1870 erstellten zahlreichen Sperren eine weitere Tiefenerosion im unteren und mittleren Abschnitt verhindert und damit die Gefahr neuer Verheerungen im Domleschg beseitigt worden, ferner ist durch die unterirdische Anzapfung des Lüschersees mittels Stollen ein lokaler Vernässungsherd eliminiert und durch einen Hangkanal südlich Tschappina die Schwarze Nolla merklich entlastet worden, aber die Seitenerosion der Nolla geht weiter, und ebenso die Bodenbewegung in den Hängen von der untersten Nollasperre an bis hinauf zur Bruchalp ob Glas.“





Wo und wie ist die Rutschung im Gelände erkennbar?



Quelle
- Ziegler, Hans-Jakob.: Die Hangbewegungen im Lugnez, am Heinzenberg und bei Schuders GR, Geologie und Geomechanik. Dissertation, Universität Bern; Mai 1982. download
- Jäckli, H.: Die Bodenbewegungen im Hinterrhein-Tal und ihre bautechnischen Auswirkungen. Schweizerische Bauzeitung, Band 66 (1948), Heft 37. download
Anhang: Literatur zum Rutschgebiet Heinzenberg
- Escher, H.S.: Etwas über Bergschlipfe, mit besonderer Hinsicht auf die Bergschlipfe im Nolla-Thal, hinter Thusis, und im Plessur-Thal, hinter Chur, in Bünden. In: Der neue Sammler : ein gemeinnütziges Archiv für Bünden. Band 4 (1808), Heft 3. download
- Salis, F. von.: Das Nollathal. Zeitschrift: Die Eisenbahn. Band 12/13 (1880), Heft 13. download
- Ältere Nachrichten über die Erdschlipfe des Nollathals. «Der neue Sammler», Chur, 1808. 4. Jg. S. 353 ff. download
- Das rutschende Dorf Tschappina in Bünden. Eidg. National-Kalender für das Schweizer Volk auf das Jahr des Heils 1858. S. 32ff. download
- Glueer, Franziska: Integrating Seismic Methods for Characterizing and Monitoring Landslides: A Case Study of the Heinzenberg Deep-Seated Gravitational Slope Deformation (Switzerland). Geosciences 2024, 14, 28. download
> Massnahmen
- Henne, A.: Verbauungen, Entwässerungen und Aufforstungen im Nollagebiet. Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, Band (Jahr): 77 (1926), Heft 9. download
- Aufforstungen im Gebiete der Nolla. Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, Band (Jahr): 58 (1907), Heft 9. download
- Tarnuzzer, C.: Nollakorrektion und Lüschersee. Ein Beispiel der Wildbachverbauung in Graubünden. In: Dr. A. Petermanns Mitteilungen. Aus: Justus Perthes Geogr. Anstalt, Gotha. S. 234ff. 1903. download
- Gino Romegialli: Das Ende des Lüschersees. Verlag Desertina. download
- Eingabe der Regierung des Kantons Graubünden an den schweizerischen Bundesrath auch zu Handen der hohen Bundesversammlung, betreffend Verbauung der Wildbäche in der Schweiz, mit speziellem Gutachten über das Projekt der Nolla-Verbauung. Chur, 1870. download
- Schweizerische Naturforschende Gesellschaft: Zur Anbohrung und Ableitung des Lüschersee’s am Heinzenberg. In: Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, Band (Jahr): 93 (1910). download
- Das Ende des Lüschersees. In: Der Freie Rätier, 4. und 5. Januar 1910. download
- Technischer Bericht zum allgemeinen Entwässerungsprojekt im Rutschgebiet von Tschappina. Bern, 1907. Bundesarchiv. download
- Projekt Instandsetzung NOLLAWEHR Thusis. download
- Diverse Unterlagen zur Kostenvoranschläge zur Wasserableitung in der Nolla, Entwässerung des Nolla-Einzugsgebietes, usw. Bundesarchiv.
- Nolla-Verbauungen. Bündner Tagblatt, Samstag, 19. April 2014. download
- Grün, A. / Runge, A.: Projekt „Heinzenberg“ : Präzisionsphotogrammetrie im Gebirge. Zeitschrift: Vermessung, Photogrammetrie, Kulturtechnik, Band (Jahr): 85 (1987), Heft 7. download
- Tscharner, J. F. von: Ein Wort über die Rhein- und Nolla-Eindämmung Domleschg. Der neue Sammler : ein gemeinnütziges Archiv für Bünden. Band 3, 1807, Heft 3. download
> Karten und Pläne
Südlicher Teil des rutschenden Heinzenbergs: Bewegungsrichtungen und Bewegungsbeträge. download
- Vermessung des Lüschersee-Untergrundes. Detaillierte Karte. Bundesarchiv. download
- Lüschersee: Detaillierter Plan des Entwässerungsstollens. Bundesarchiv. download
- Lüschersee Querprofile. Bundesarchiv. download
- Entwässerung im Nollagebiet: Ableitung des Lüschersees. Einbau Rohrleitung. Bundesarchiv. download
- Lüschersee. Seeflächen bei unterschiedlicher Höhe des Wasserspiegels. download
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann