Diese Karte zeigt in einer Übersicht die Bergsturz-Ereignisse, welche in SardoNat präsentiert werden. Du kannst diese über einen Klick auf das Symbol in der Karte – oder über die Navigation – auswählen.
Auf dieser Seite
- Was weiss man über die Bergsturz-Aktivität in vergangener Zeit?
- Gab es in der Vergangenheit Zeiten, in denen sich Bergstürze häufiger ereigneten als heute?
- Welche Volumen hatten Bergstürze in der Vergangenheit?
- Wie teilt man Bergstürze aufgrund ihres Alters ein?
- Welches sind die wichtigsten prähistorischen Bergstürze im Alpenraum?
- Kann man prähistorische Bergstürze noch weiter unterteilen?
- Wie kann man sagen, dass ein Bergsturz nacheiszeitlich ist?
- Welches sind die wichtigsten historischen Bergstürze im Alpenraum?
- Was löste in der Vergangenheit Bergstürze aus?
- Historische Rückschau auf die grossen Bergsturzereignisse in den Alpen
- Bergstürze in den Jahren 1714 bis 2015
Was weiss man über die Bergsturz-Aktivität in vergangener Zeit?
- Vor dem Ende der letzten Eiszeit ereigneten sich in den Alpen rund 130 Bergstürze.
- Seit dem Ende der letzten Eiszeit (vor etwa 11’300 Jahren) ging im Alpenraum ungefähr alle 5 bis 10 Jahre ein Bergsturz nieder.
- In den letzten 1000 Jahren ereigneten sich in den Alpen rund 60 Bergstürze.
- Gemäss Chroniken ereigneten sich im Alpenraum zwischen Christi Geburt und dem Beginn des 21. Jahrhunderts rund 70 Bergstürze.
- In einigen Gebieten wie den Ostschweizer Alpen (Glarus/Graubünden) oder dem Gebiet Fernpass/Köfels (A) gibt es eine Konzentration von Bergstürzen.
- Der geologische Zeitabschnitt der jüngeren Dryas dauerte von 10’700–9’700 v. Chr. Er war geprägt von einer klimatisch markanten Kaltphase. Am Ende der jüngeren Dryas kam es zu einem starken Temperaturanstieg von mehreren Grad Celsius in 100 Jahren (möglicherweise bis zu 7° C). Auffallend ist, dass man aus diesem Zeitraum kein einziges Bergsturz-Ereignis kennt.
Gab es in der Vergangenheit Zeiten, in denen sich Bergstürze häufiger ereigneten als heute?
Nach dem Rückzug der letzten eiszeitlichen Gletscher ereigneten sich in den Alpen vermehrt Bergstürze, insbesondere zwischen 9’000 bis 10’000 Jahren vor heute. Zu diesen Ereignissen gehören unter anderem der Flimser Bergsturz oder der Bergsturz von Köfels.
Welche Volumen hatten Bergstürze in der Vergangenheit?
- Im Spätglazial ereigneten sich vier sehr grosse Bergstürze mit einem Volumen von mehr als 500 Mio. m3.
- Im Postglazial gingen acht solche Grossereignisse mit einem Volumen von mehr als 500 Mio. m3 nieder.
- Ein Grossteil dieser sehr grossen Bergstürze ereignete sich in der Schweiz – und zwar ausschliesslich im Kalkgestein.
- In den letzten rund 2000 Jahren ereignete sich in den Alpen kein Bergsturz mit einem Volumen von mehr als 500 Mio. m3.
Wie teilt man Bergstürze aufgrund ihres Alters ein?
Ganz generell teilt man sie in zwei Gruppen ein:
- prähistorische Bergstürze ereigneten sich in einer Zeit, als der Mensch noch keine Aufzeichnungen machte und sie weitergab. Sie können aufgrund verschiedenster geologischer Merkmale identifiziert und bezüglich Alter bestimmt werden.
- Im Gegensatz dazu haben sich historische Bergstürze in geschichtlicher Zeit ereignet. Zu diesen Ereignissen gibt es schriftliche Informationen (Überlieferungen, Berichte)
Welches sind die wichtigsten prähistorischen Bergstürze im Alpenraum?
Vom Beginn des Holozäns vor rund 11’300 Jahren bis ins Jahr 2000 konnten 13 Bergstürze datiert werden, welche als «prähistorisch» bezeichnet werden.
Innerhalb der Schweiz gehören zu den wichtigsten:
- Flimser Bergsturz (vor rund 9500 Jahren)
- Taminser Bergsturz
- Glärnisch-Guppen-Bergsturz
Ausserhalb der Schweiz gehören zu den wichtigsten:
- Bergsturz Schafberg, Oberösterreich (vor rund 5200 Jahren)
- Bergsturz Fernpass, Nordtirol (vor rund 4000 Jahren)
- Bergsturz Zugspitze, Bayern (vor rund 3750 Jahren)
- Bergsturz Köfels, Tirol (vor rund 8700 Jahren)
- Bergsturz Tschirgant, Tirol (vor rund 3000 Jahren)
- Dorbatsch-Bergsturz (prähistorisch)
Kann man prähistorische Bergstürze noch weiter unterteilen?
Ja. Prähistorische Bergstürze lassen sich unterteilen in:
- Voreiszeitliche Bergstürze. Diese fanden vor der letzten Eiszeit statt; das heisst, sie sind älter als 115’000 Jahre. Da die Gletscher in der letzten Eiszeit die alpine Landschaft massiv veränderten und dabei ältere Bergsturzablagerungen grösstenteils abtrugen, findet man in den Alpen kaum mehr Relikte von voreiszeitlichen Bergstürzen.
- Eiszeitliche Bergstürze. Diese ereigneten sich während der letzten Eiszeit. Sie gingen auf die Gletscher nieder. Ihre Ablagerungen wurden von den Gletschern verfrachtet. Man findet von ihnen kaum mehr Ablagerungen.
- Nacheiszeitliche Bergstürze (postglazial). Diese ereigneten sich nach dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 11’300 Jahren.
Wie kann man sagen, dass ein Bergsturz nacheiszeitlich ist?
Am Ende der Eiszeit verschwand der grösste Teil aller Gletscher. Deshalb wurden die Ablagerungen der nacheiszeitlicher Bergstürze nicht mehr nachträglich durch die Einwirkung von Gletschern verändert. Und deshalb gibt es auf nacheiszeitlichen Bergstürzen auch keine Ablagerungen von Gletschern, welche sich über die Ablagerungen schoben.
Welches sind die wichtigsten historischen Bergstürze im Alpenraum?
Die wichtigsten historischen Bergstürze innerhalb der Schweiz sind:
- Bergsturz Buzza di Biasca nördlich Biasca (1512)
- Bergsturz an den Les Diablerets VS (1714)
- Bergstürze Les Diablerets VS (1749)
- Goldau SZ (1806)
- Elm GL (1881)
- 1991 Randa VS (1991)
- 2011 Bondo GR (2011 und 2017)
Ausserhalb der Schweiz sind die wichtigsten historischen Bergstürze im Alpenraum:
- Bergsturz Mont Granier im Chartreuse-Massiv (Savoyen; 1248)
- Bergsturz Dobratsch in Kärnten (ausgelöst durch das Friaul-Erdbeben; 1348)
- Bergsturz von Vajont (Longarone, Friaul, 1963): Volumen von 260 Millionen m³).
- Bergsturz von Morignone (Veltlin, 1987, Volumen 40 Millionen m³)
In welchen Jahreszeiten traten die historischen Bergstürze auf?
Fast zwei Drittel der Ereignisse traten im Sommer oder Herbst auf (vorwiegend im September), also in einem Zeitraum, in welchem in den Alpen normalerweise relativ viel Niederschlag als Regen fällt.
Was löste in der Vergangenheit Bergstürze aus?
Bei Bergstürzen standen die Bewegungen vielfach in direktem Zusammenhang mit dem Niederschlagsgeschehen. Grossereignisse wurden vielfach durch starke und lang anhaltende Niederschläge ausgelöst, die dazu führten, dass sich im Gebirge ein sehr hoher Bergwasserdruck aufbaute.
Eine Mehrzahl der historischen Bergstürzen der letzten 2000 Jahren wurde während Regen oder lang anhaltende Nassperioden ausgelöst. Solche Feuchtzeiten traten sowohl in kälteren als auch in wärmeren Klimaperioden auf.
Historische Rückschau auf die grossen Bergsturzereignisse in den Alpen

Historische Rückschau auf die grossen Bergsturzereignisse in den Alpen. In den letzten 300 Jahren sind 16 Ereignisse bekannt. Ihre Zahl ist wahrscheinlich grösser, weil Bergstürze in abgelegenen Tälern nicht überliefert wurden. Dazu kommen eine ganze Reihe sehr grosser prähistorischer Bergstürze, welche heute aufgrund geologischer Evidenzen nachkonstruiert werden können.
Durchschnittlich ereignet sich in den Alpen ca. alle 20 Jahre ein Bergsturz. Quelle: Hans Rudolf Keusen et al.: Massenbewegungen und ihre geologische Beurteilung. Bull, angew. Geol. Vol.3 Nr. 1 11-28 Juli 1998 download
Bergstürze in den Jahren 1714 bis 2015

Weinrote Punkte: Bergstürze in den Jahren 1714 bis 2015 mit einem Volumen von mehr als 1 Million m3, verteilt nach Jahreszeit und Höhenlage. Rote Punkte: Felsstürze in den Jahren 1714 bis 2015. Quelle: Dr. Marcia Phillips: Einfluss des Hitzesommers 2015 auf Felsstürze
Quellen
- Ueli Gruner: Klimatische und meteorologische Einflüsse auf Sturzprozesse. INTERPRAEVENT 2008 – Conference Proceedings, Vol. 2, 2008 download
- Ueli Gruner: Bergstürze und Klima in den Alpen – gibt es Zusammenhänge? Bull. angew. Geol. Vol. 11/2 Dezember 2006 download
- Ueli Gruner: Bergstürze – Begriff, Ursachen und Einflussfaktoren, Prozessauslösung, Häufigkeit, Prozesskette und Umgang mit Bergsturzproblematik (Beitrag AGN). Swiss Bull. angew. Geol. Vol. 23/1, 2018 download
- Keusen, H.R.: Geologische Naturgefahren in der Schweiz. Bulletin für angewandte Geologie, Band 3, Heft 1, 1998. download
Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann