Gefahrenart

Erdbeben in der Vergangenheit

Erdbeben in den Welterbe-Kantonen Glarus, St. Gallen und Graubünden: Hintergründe, Karte und alle dokumentierten Ereignisse.

Diese Karte zeigt in einer Übersicht die Erdbeben-Ereignisse, welche in SardoNat präsentiert werden. Du kannst diese über einen Klick auf das Symbol in der Karte – oder über die Navigation – auswählen.

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Wo traten in der Vergangenheit der Kantonen Glarus, St. Gallen und Graubünden Erdbeben auf?

Abbildung zu «Erdbeben in der Vergangenheit»

In dieser Karte sind alle Erdbeben ab Magnitude 1 eingetragen, welche der Schweizerische Erdbebendienst in den drei Welterbe-Kantonen sowie in ihrer Umgebung zwischen Januar 1975 und Januar 2014 instrumentell aufgezeichnet hat.

Die Karte zeigt: Im Kanton St.Gallen treten Erdbeben vor allem im Gebiet zwischen Walensee, Sargans und Liechtenstein auf. Im Kanton Graubünden ist primär der zentrale und östliche Teil erdbebenaktiv, im Kanton Glarus der südliche Teil.

In welcher Tiefe entstehen die Ostschweizer Erdbeben?

Abbildung zu «Erdbeben in der Vergangenheit»

Diese Grafik zeigt einen rund 150 Kilometer langen und 40 Kilometer tiefen Nord-Süd-Schnitt durch den Untergrund der Schweiz. Senkrecht auf diese Schnittfläche wurden gut lokalisierbare Hypozentren (Bebenherde) von Erdbeben projiziert, die sich in einem 100 Kilometer breiten Gebiet der Ostschweiz ereignet haben (kleinster Kreis Magnitude 1; grösster Kreis Magnitude 5). Die Darstellung zeigt: In der Ostschweiz entstehen Erdbeben in einer Tiefe von maximal 15 bis 20 Kilometern. Im nördlichen Alpenvorland können sie Tiefen von rund 30 Kilometern erreichen.

Wie stark waren die Erdbeben in der nahen Vergangenheit?

Magnituden der stärksten Erdbeben in der Schweiz und im grenznahen Ausland zwischen 1975 und 2021.
Magnituden der stärksten Erdbeben in der Schweiz und im grenznahen Ausland zwischen 1975 und 2021. Quelle: SED

Welche Schadenbeben kennt man aus der Vergangenheit?

Schadenbeben sind Erdbeben, die zu Auswirkungen von Intensität VI und mehr führen (siehe Intensitätsskala).

Das bisher grösste bekannte Beben nördlich der Alpen erschütterte 1356 Basel (Magnitude 6.6).

1295 und 1855 ereigneten sich in Graubünden (Magnitude 6.2) und im Wallis (Magnitude 6.2) die zweitstärksten historisch belegten Erdbeben in der Schweiz.

Das stärkste Schweizer Beben, das seit der Installation des flächendeckenden Messnetzes des Schweizerischen Erdbebendienst (SED) Mitte der 70er Jahre aufgezeichnet wurde, ereignete sich bei Vaz in Graubünden (1991) und hatte eine Magnitude von 5.0.

Wie wird die Stärke von historischen Erdbeben ermittelt?

Historische Überlieferungen sind die einzigen Informationen, die wir über Erdbeben in früheren Zeiten haben. Wie stark diese Beben waren, lässt sich aufgrund der dokumentierten Schäden rekonstruieren und in Form von Intensitäten beziffern. Prinzipiell ist es möglich, aus den Intensitäten eine Magnitude abzuschätzen; diese ist jedoch mit mehr oder weniger grossen Unsicherheiten behaftet.

Seit wann werden Erdbeben in der Schweiz aufgezeichnet?

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in der Schweiz Seismographen betrieben. Seit 1975 gibt es ein einheitliches nationales seismisches Beobachtungsnetz. Dieses wurde laufend verdichtet und dem technologischen Fortschritt angepasst. Dementsprechend hat sich gegenüber früher auch die Empfindlichkeit erhöht und die Genauigkeit, mit der Erdbeben lokalisiert werden, verbessert.

Quellen / Literatur

  • Monika Gisler und Domenico Giardini: Erdbeben in Europa – eine kleine Kulturgeschichte. Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich (2007) 152(4): 101–110 download
  • Monika Gisler und Donat Fäh: Nachbeben. Eine Geschichte der Erdbeben in der Schweiz. Haupt Verlag, 1. Auflage: 2008. download
  • Gabriela Schwarz-Zanetti: Grundlagen des makroseismischen Erdbebenkatalogs der Schweiz Teil 1. 1000 – 1680. 2011. download
  • Moniks Gisler: Grundlagen des makroseismischen Erdbebenkatalogs der Schweiz Teil 2. 1681 – 1878. 2011. download
  • Stefan Fritsche: LARGE HISTORICAL EARTHQUAKES IN SWITZERLAND. Multidisciplinary Studies on Damage Fields and Site-Effects. DISS. ETH NO. 17710. 2008. download

Links

> Schweizerischer Erdbebendienst

> Erdbebenkatalog ECOS-09 (Earthquake Catalog of Switzerland 2009)

> Die zehn stärksten Erdbeben in der Schweiz

> Auswirkungen von Erdbeben

Erdbeben in der Vergangenheit des Kantons Glarus

Im Kanton Glarus ist ist nur ein Schadenbeben bekannt: Glarus, 1971

> Alle in den letzten 90 Tagen registrierte Erdbeben Karte

> Möglicherweise verspürte Beben seit 2002 Karte

> Alle bekannten Erdbeben Karte

Kontakt

> Schweizerischer Erdbebendienst

> Fachstelle Naturgefahren des Kantons Glarus

Erdbeben in der Vergangenheit des Kantons St. Gallen

Folgende Erdbeben mit Epizentrum im Kanton St. Gallen oder im grenznahen Umfeld haben im Kanton St. Gallen zu Schäden geführt:

> Ostschweiz-Fuerstentum Liechtenstein, 1681

> Arbon TG, 1720

> Niedersommeri TG, 1771

> Wildhaus, 1795

> Grabs, 1796

> Abtwil, 1835

> Gams, 1881

> Sevelen-Buchs, 1898

> Alle in den letzten 90 Tagen registrierte Erdbeben Karte

> Möglicherweise verspürte Beben seit 2002 Karte

> Alle bekannten Erdbeben Karte

Literatur

Hess, Clemens: Das ostschweizerische Erdbeben vom 7. Januar 1889. Mitteilungen der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft, Band 9, 1890. download

Kontakt

> Schweizerischer Erdbebendienst

> Abteilung Naturgefahren des Kantons St. Gallen

Erdbeben in der Vergangenheit des Kantons Graubünden

Welche Schadenbeben kennt man aus der Vergangenheit Graubündens?

In Graubünden und seiner näheren Umgebung sind seit Ende des 13. Jahrhunderts mehrere Erdbeben mit Intensitäten zwischen VI und VIII bekannt. Alle diese Beben verursachten leichte bis schwere Gebäudeschäden und forderten zum Teil Verletzte und Todesopfer.

> Churwalden, 1295

> Ardez, 1504

> Ftan, 1622

> Region Prättigau, 1695

> Tarasp, 1857

> Nordbünden, 1905

> Silvaplana, 1917

> Vaz, 1991

Welche Erdbeben ereigneten sich zwischen 1975 und 2003?

Zwischen 1975 und 2003 ereigneten sich in Graubünden und den grenznahen Gebieten nur zwei nennenswerte Erdbeben. Das von Vaz, 1991 führte zu geringen Schäden (Magnitude 4.6; Intensität VI). Sein Epizentrum lag im Epizentralgebiet des Churwaldner Bebens von 1295. Das andere ereignete sich Ende 1999 im Grenzbereich zu Italien zwischen Val Mustair und Bormio. Es wurde im ganzen Engadin deutlich verspürt, verursachte jedoch keine Schäden (Magnitude 4.9; Intensität V bis VI).

MagnitudeAnzahl Erdbeben
grösser oder gleich 2.0989
grösser oder gleich 2.5286
grösser oder gleich 3.090
grösser oder gleich 4.020

Magnitudenhäufigkeit in Graubünden und in der grenznahen Umgebung zwischen 1975 und 2022. Von der Bevölkerung verspürt wurden alle Beben ab Magnitude 3 sowie einige wenige mit einer Magnitude zwischen 2.5 und 3.

Welches Auftreten von Erdbeben ist für Graubünden typisch?

Typisch für Graubünden ist das Auftreten von Erdbeben in sogenannten «Serien». Dies bedeutet:

  • Innerhalb von wenigen Tagen bis mehreren Monaten treten in Folge mehrere, meist verschieden starke Ereignisse auf.
  • Ihre Erdbebenherde sind auf einen relativ kleinen Bereich im Untergrund beschränkt

Die Dauer solcher Serien kann sehr unterschiedlich sein: Einige sind nach wenigen Tagen vorbei, andere, wie die Serie von Bormio, dauern mehrere Jahre.

Charakteristisch für viele dieser Bebenserien ist, dass über einen längeren Zeitraum lokal begrenzt zahlreiche Beben auftreten, ohne dass eine klare Abfolge von Vor-, Haupt- und Nachbeben besteht. Man spricht in solchen Fällen auch von einem Erdbebenschwarm. Meistens endet die Schwarmaktivität nach einigen Wochen oder Monaten, in seltenen Fällen nehmen die Beben mit der Zeit in Stärke und Anzahl zu.

  • Erdbebenserie Domat/Ems – Tamins – Rhäzüns, 1905
  • Erdbebenserie von Bormio, 1999 – 2002
  • Erdbebenserie von Paspels, 2007 – 2009

Quellen

  • SED: Erdbeben regional / Erdbeben in Graubünden
  • Monika Gisler, Markus Weidmann, Donat Fäh: Erdbeben in Graubünden. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Verlag Desertina, 2005

Links

> Alle in den letzten 90 Tagen registrierte Erdbeben Karte

> Möglicherweise verspürte Beben seit 2002 Karte

> Alle bekannten Erdbeben Karte

Kontakt

> Schweizerischer Erdbebendienst

> Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden

Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann